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«Renaissance der amerikanischen Wirtschaft.»

Datum: 05.07.2021 

Die Anlage-Expertinnen und -Experten der Graubündner Kantonalbank informieren im GKB Anlage-Fokus wöchentlich über das aktuelle Finanzgeschehen. Gemeinsam mit Jens Korte werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf die Wall Street.


Zum Monatswechsel gab es neue Zahlen vom US-Arbeitsmarkt. Was zeigen diese und setzt sich die Erholung der US-Wirtschaft fort?

Die Erholung schreitet robust voran: Alleine im Juni wurden 850‘000 neue Jobs geschaffen. Das sind über 100‘000 Stellen mehr als erwartet, und es war der stärkste Anstieg seit August vor einem Jahr. Allerdings hat die USA immer noch rund 6.8 Millionen Jobs weniger als vor Ausbruch der Pandemie.

Aber dieses tiefere Niveau soll nicht darüber hinweg täuschen, dass die Erholung vor allem in den stark vom Lockdown betroffenen Branchen wie Gastronomie, Hotels oder Bereiche der Bildung schnell vorankommt. Normalerweise steigen dann auch die Löhne, dieser Anstieg zeigt sich aber bisher nur moderat. Nicht zuletzt deshalb macht man sich hier in New York an der Börse keine grossen Sorgen über die Inflation; ganz im Gegenteil, der S&P kletterte letzte Woche auf einen neuen Rekord.


Ein regelrechter Boom also, jedenfalls an der Börse und beim Stellenwachstum. Kommt das für Sie überraschend?

Ich muss ehrlich sagen, ich hatte das vor einigen Monaten nicht erwartet, dass sich die amerikanische Wirtschaft zum Sommeranfang so robust präsentiert. Ich habe neulich eine Kolumne gelesen in der New York Times, und da hiess es, was wir derzeit sehen, sei eine amerikanische Renaissance.

In vielen Industriezweigen wird versucht, die Produktion aus dem Ausland zurück in die USA zu holen, und es wird viel investiert zum Beispiel in erneuerbare Energien oder in Elektrofahrzeuge. Zudem versuchen sich die Menschen öfter als vor der Pandemie neu zu erfinden. Sie wollen nicht zurück in ihre schlecht bezahlten Jobs. Und so müssen einige Firmen mittlerweile Bewerberinnen und Bewerbern Geld anbieten, damit diese überhaupt zum Bewerbungsgespräch erscheinen.


Und was hören sie von der Wall Street, was sind möglicherweise die Risiken und was könnte Sand ins Getriebe des Booms streuen?

Natürlich könnte uns jederzeit eine Krise überraschen. Allerdings scheint zum Beispiel eine Finanzkrise ausgelöst in den USA zur Zeit eher unwahrscheinlich. Doch Risiken gibt es: Das Wachstum, das wir zur Zeit sehen, wurde auch erkauft mit Schulden. Zudem wurden den US Konsumentinnen und Konsumenten mehrere Milliarden Dollar ausbezahlt, damit diese konsumieren können und sich nicht noch stärker verschulden müssen. Davon haben nicht zuletzt auch die Banken profitiert, weil es damit auch weniger Kreditausfälle gegeben hat.

Doch einige dieser Sonderprogramme enden bald, im September zum Beispiel jenes für Zusatzzahlungen an arbeitslose Amerikanerinnen und Amerikaner. Das könnte die Konsumausgaben bremsen. Weil ein guter Teil des Wachstums auf Schulden beruht, sind wir wohl gut beraten, wenn wir trotz des guten Wachstums nicht allzu euphorisch werden.







Gemeinsam wachsen.