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Präsident Biden: Was ist zu erwarten?

Datum: 09.11.2020 

Im Interview mit Jens Korte geht Martina Müller-Kamp, Mitglied der Geschäftsleitung der Graubündner Kantonalbank der Frage nach, welche Bedeutung Joe Bidens Sieg für Wirtschaft und Finanzmärkte hat.

 

 

Die Wahl in den USA ist entschieden, und entgegen der Erwartungen kam es zu einer Zitterpartie. Was bedeutet nun die Wahl von Joe Biden für die Börse in New York?
 
An der Wall Street ging man vor der Wahl davon aus, dass Joe Biden Präsident wird und die Demokraten sowohl den Senat wie das Repräsentantenhaus dominieren. Dann hat sich aber abgezeichnet, dass der Kongress gespalten bleibt und trotzdem ging es mit den Kursen weiter nach oben. Eine Erklärung dafür ist, dass beide Szenarien Vorteile haben für die Wirtschaft. Bei einem demokratisch geprägten Kongress, wäre es einfacher gewesen, neue Covid-Hilfsprogramme zu verabschieden. Mit einem gespaltenen Kongress, wie wir ihn jetzt haben, geht die Börse davon aus, dass es nicht zu grossen Steuererhöhungen oder neuen Regulierungen kommen wird.


Was bedeutet ein Präsident Joe Biden für die Märkte und für die US-Wirtschaft?

Die Frage ist: Was kann er verändern mit einem gespaltenen Kongress, der nur bedingt handlungsfähig ist. Biden kündigte im Vorfeld der Wahl an, dass er ein gewaltiges Infrastrukturprogramm starten will. Unter anderem will er die USA auf saubere Energien umstellen. Rund zwei Billionen Dollar hatte er für das Programm in Aussicht gestellt. Das würde Arbeitsplätze schaffen und es könnte eine gewisse Wachstumsdynamik bringen. Es ist aber unsicher, ob er diese Pläne durch den Kongress bringt.


Donald Trump hat nicht zuletzt auch die Handelsstreitigkeiten mit China ausgelöst. Werden sich die Handelsbeziehungen mit China, aber auch mit Europa ändern unter Joe Biden?

Ändern dürften sich vor allem die Handelsbeziehungen zwischen Europa und den USA. Unter Donald Trump hätte es gut sein können, dass zusätzliche Strafzölle die Beziehungen weiter belasten. Beim Handel zwischen den USA und China hat sich, ausser der Rhetorik, in den Trump-Jahren nicht viel geändert. Im Gegenteil: Das Handelsbilanzdefizit ist zum Ende der Amtszeit Trump grösser als zu Beginn. Und auch Joe Biden wird mit China nicht auf Schmusekurs gehen, denn schon als Vize-Präsident unter Barack Obama hat Biden versucht, China mit einem transpazifischen Freihandelsabkommen in die Schranken zu weisen.


Am Freitag wurden die neusten Daten zum US-Arbeitsmarkt publiziert. Was zeigen diese Zahlen, wie steht es um die US-Wirtschaft?

Es wurden über 100‘000 Stellen mehr geschaffen als erwartet. Und die Arbeitslosigkeit ist erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder unter sieben Prozent gefallen. Für Donald Trump allerdings kamen diese Zahlen etwas zu spät. Denn man darf nicht vergessen, die Wahl war extrem knapp. Und das hängt auch damit zusammen, dass für viele Amerikanerinnen und Amerikaner die Wirtschaft das wichtigere Thema war als die Pandemie. Das hat sich entsprechend bei den Wahlergebnissen gezeigt, weil viele US-Wählerinnen und Wähler gedacht hatten, dass Donald Trump die Wirtschaft besser unter Kontrolle hätte als Joe Biden. Doch Biden ist so gut wie gewählt und die wirtschaftlichen Voraussetzungen stimmen, die US-Wirtschaft entwickelt sich positiv.

Fazit: Nachdem die Wahlen in den USA beendet sind, richtet sich der Fokus der Finanzmärkte nun wieder verstärkt auf die Konjunktur und die Realwirtschaft. Hierbei schauen die Märkte schon weit in das Jahr 2021 voraus und preisen eine positive Konjunkturentwicklung in der Zeit nach Corona ein.

 

Gemeinsam wachsen.