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Pandemie und US-Präsidentschaftswahlen.

Datum: 06.07.2020 

Im Interview mit Jens Korte wirft Martina Müller-Kamp, Mitglied der Geschäftsleitung der Graubündner Kantonalbank einen Blick auf die aktuelle Marktentwicklung.

Der Dow Jones hat das beste Quartal seit 1987 hinter sich. Gleichzeitig gab es zuletzt einen Rekordanstieg an neuen Jobs. Auf der einen Seite beobachtet man also haussierende Aktienmärkte und bessere Konjunkturdaten und auf der anderen Seite steigt die Zahl an Neuinfektionen in den USA stetig. Rechtfertigen die besseren Wirtschaftsdaten den Kurssprung an der Börse?

Die rekordverdächtigen Anstiege des Detailhandels und des Arbeitsmarktes mit 4,8 Millionen neuen Stellen (Daten von Mitte Juni) innerhalb eines Monats, schlagen sich in den aktuell starken Wirtschaftsberichten nieder. Dabei darf aber der schlagartige Einbruch vom April um über 20 Millionen Arbeitsplätze in rund vier Wochen nicht vergessen werden. Die Wirtschaft erholt sich zwar langsam wieder. Dies wird anhand des ausgeprägten Jobanstiegs in der Gastronomie, im verarbeitenden Gewerbe, im Baugewerbe und vor allem im Detailhandel ersichtlich. Ob das jedoch die starken Kursgewinne an der Börse rechtfertigt, ist umstritten. Denn, in dieser Statistik nicht erfasst, ist der erneute Rückgang der Wirtschaftstätigkeit in einigen Bezirken aufgrund der täglichen Neuinfektionen des Coronavirus in einer Höhe von über 50‘000 Personen.

 

Verbessern die Wirtschaftszahlen die Chancen auf einen Wahlsieg von Donald Trump?

Im Herbst wird sich die grosse Frage stellen, ob letztendlich die Wirtschaft oder eben die Pandemie darüber entscheidet, wen die Amerikaner zum Präsidenten wählen. Umfragen zufolge ist es eindeutig. Für den Umgang mit dem Virus bekommen Donald Trump und seine Regierung keine guten Noten. Wenn es aber um seine wirtschaftlichen Kompetenzen geht, halten ihn die meisten Amerikaner weiterhin für den richtigen Mann. Bleibt die wirtschaftliche Entwicklung gleich positiv, steigen die Wiederwahlchancen von US-Präsident Donald Trump. Vielleicht vergessen die Amerikaner dann, wie er mit der Pandemie umgegangen ist.

 

Welchen Präsidenten wünscht sich die Wallstreet: Trump oder Biden?

Es ist schwierig, eine Aussage für die gesamte Wallstreet zu treffen, denn diese ist vielschichtig. Nicht alle vertreten die gleiche Meinung, aber grundsätzlich ist die Haltung an der Wallstreet eher konservativ. US-Präsident Donald Trump hat Regularien zurückgefahren, Steuern gesenkt und der Wirtschaft relativ freie Hand gelassen, was der Wallstreet alles zugutekam. Auch die aktuelle Unterstützung des Systems in Billionenhöhe stimmt positiv. Daher wird die Wallstreet eher eine Wiederwahl Trumps befürworten, vor allem da Joe Biden unter anderem für eine stärkere und schnellere Erhöhung der Steuern stehen könnte, als das unter Trump vorstellbar wäre. Der Präsident ist ihnen nicht unbedingt sympathisch aber die Massnahmen, welche er ergreift, dienen eben doch vielen Industrien und vor allem auch den Aktienkursen an der Wallstreet.

Vor diesem Hintergrund bleiben die Pandemie und die US-Präsidentschaftswahl weiterhin die beherrschenden Themen am Aktienmarkt.

 


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