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Werden die Benzinpreise sinken?

Datum: 26.07.2021 
Autor: Adrian Schneider

Vielleicht erinnern Sie sich noch an den April 2020: Die Erdöllager in den USA waren bis zum Rande gefüllt und niemand mehr wollte kurzfristig Erdöl kaufen. Der Preis für das schwarze Gold fiel zuerst auf den tiefsten Stand seit November 2001 – der Zeit nach den Terroranschlägen vom 11. September. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) beendete aufgrund der Unsicherheit über die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung am 20. April 2021 den Handelstag erstmals mit einem negativen Preis an der Terminbörse.

Die Vereinigung der Erdölexportierenden Länder (OPEC) reagierte schnell und kürzte die Erdölproduktion deutlich, um das Angebot zu verknappen und so den Preis zu stabilisieren. Diese Massnahme zeigte Wirkung. Im Zusammenspiel mit der eingesetzten wirtschaftlichen Erholung verteuerte sich der Ölpreis stetig bis zur letzten Woche. Nach langen Verhandlungen wurde in einem Treffen zwischen der OPEC und weiteren Erdölproduzenten die Erhöhung der Fördermenge von 400‘000 Barrels pro Tag ab August beschlossen. Zusätzlich soll die Fördermenge jeden weiteren Monat um zusätzliche 400‘000 Fass pro Tag erhöht werden. Der Markt reagierte umgehend: Ein Fass Rohöl kostete zu Beginn der letzten Woche rund 7% weniger, was gleichzeitig den höchsten Tagesverlust seit März dieses Jahres bedeutete. Dürfen wir nun wieder auf günstigeres Benzin hoffen?

 

Diese Frage können wir nicht abschliessend beantworten. Die wirtschaftliche Erholung hat dazu geführt, dass die globale Nachfrage nach Rohöl stetig zugenommen hat. Produziert wird nach wie vor weniger als nachgefragt und die hohen Lagerbestände wurden über die letzten Monate ebenfalls abgebaut. Wir gehen deshalb davon aus, dass die minime Erhöhung der Produktionsmenge den Erdölpreis nicht massiv unter Druck setzen wird, sondern die wirtschaftliche Erholung den Markt weiter im Defizit hält. Es wird also auch zukünftig weniger produziert als nachgefragt. Gleichzeitig jedoch werden die zusätzlichen Fördermengen den Aufwärtsdruck auf den Ölpreis und als Konsequenz auf den Benzinpreis eingrenzen. Für den Verbraucher und die Wirtschaft sind das gute Nachrichten, da durch die Erhöhung der Fördermenge zumindest dem Aufwärtsdruck entgegengewirkt wird.

 

Die globalen Aktienmärkte zeigen sich währenddessen weiterhin in guter Verfassung. Nachdem es letzte Woche zeitweise zu Korrekturen gekommen ist, sind die Kurse erneut angestiegen. Solide Konjunkturdaten, erhöhte Inflation und eine sich in diversen Regionen langsam wieder verschärfende Corona-Situation beschäftigen momentan Investorinnen und Investoren. In den kommenden Wochen dürfte vor allem entscheidend sein, inwieweit die steigenden Corona-Fallzahlen und erneute Gegenmassnahmen der Regierungen die wirtschaftliche Erholung bremsen. Von Seiten der Geldpolitik können wir weiterhin mit Unterstützung rechnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) liess letzte Woche durchblicken, dass sie ihre Anleihekäufe und Niedrigzinspolitik noch eine geraume Zeit fortsetzen wird. Zudem gehen wir davon aus, dass auch die US-Notenbank (Fed) die Geldpolitik nicht früher als erwartet verschärfen wird.


 

Gemeinsam wachsen.