Mit Spannung erwartete US-Notenbank-Sitzung

Datum: 21.06.2021 
Autor: Daniel Lüchinger


Sie wurde mit Spannung erwartet. Für viele Beobachter war die Sitzung der US Notenbank Fed der letzten Woche sogar die wichtigste unter der Führung des aktuellen Fed Präsidenten Jerome Powell. Die für die Finanzmärkte entscheidenden Fragen lauten: Wann werden die Anleihekäufe – auch bekannt als quantitatives Easing – wieder reduziert und wann werden die Leitzinsen erstmals erhöht? Und vor allem: Wie besorgt ist die Notenbank über den höchsten Inflationsanstieg der letzten Jahrzehnte?




Die Fed beurteilt die Entwicklung der US Wirtschaft sehr positiv und erhöht die Prognose für das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr auf 7 Prozent. Am meisten interessierte aber die Inflationserwartung. Neu geht die Fed von einer deutlich höheren Inflation in diesem Jahr aus. Der Preisanstieg wird aber temporär sein und die Inflation im nächsten Jahr wieder in Richtung der Zielquote von 2 Prozent sinken. Aufgrund der besseren wirtschaftlichen Entwicklung könnten die Zinsen jedoch früher erhöht werden als dies bis jetzt kommuniziert wurde. 

An den Aktienmärkten ist es in der vergangenen Woche dementsprechend auch mehrheitlich zu kleineren Gewinnmitnahmen gekommen. Per Saldo büsste der Weltaktienindex 1.3 Prozent ein. Deutlich besser hielten sich hingegen Schweizer Aktien, die sogar Kursgewinne verbuchen konnten. Diese Reaktion dürfte mit dem insgesamt doch überraschend restriktiven Tönen der US-Notenbank zusammenhängen. Zwar haben die US-Währungshüter noch kein klares Signal für ein Tapering – also die Reduktion der Anleihekäufe - gegeben, die Diskussionen darüber haben aber angefangen. Trotz der sich abzeichnenden Straffung des Zeitplans für die erste Leitzinserhöhung setzt das Fed weiterhin darauf, den Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik langsam anzugehen.

Wir sehen in diesen Aussagen die konsequente Weiterführung der eingeschlagenen Geldpolitik. Die Notenbank trägt einerseits der robusten Wirtschaftsentwicklung Rechnung. Betont anderseits aber weiterhin die Risiken. Ganz wichtig: eine Zinserhöhung ist noch immer in weiter Ferne. Übrigens: Die US Notenbank versorgt die Märkte unverändert mit Liquidität im Umfang von 120 Mrd. USD pro Monat.

Wir gehen davon aus, dass die Wertpapierkäufe noch längere Zeit fortgeführt werden und rechnen erst gegen Ende Jahr mit einer ersten Verlangsamung. Die Geldpolitik bleibt also noch für beachtliche Zeit expansiv und wachstumsunterstützend. Risiken für die Aktienmärkte sehen wir dann, wenn sich der Inflationsanstieg als hartnäckiger erweisen würde und die US Notenbank mit einer früher als erwarteten Straffung der Geldpolitik darauf reagieren müsste. Dafür gibt es zurzeit aber wenig Anhaltspunkte. Jetzt ist nicht die Zeit in Panik zu geraten. Unternehmen werden von der guten konjunkturellen Entwicklung profitieren und die Gewinne entsprechend steigern. Damit bleiben Aktien weiterhin die bevorzugte Anlageklasse. Aufgrund der erhöhten Inflationsrisiken erhöhen wir aber unsere Positionierung zu Value Aktien wie beispielsweise Banken.




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