GKB Postplatz

Marktausblick 2021.

Datum: 11.01.2021 Neu
Autor: Daniel Lüchinger

Das Börsenjahr 2020 hat Anlegerinnen und Anleger gefordert. Die Ausbreitung des Coronavirus löste eine globale Rezession aus. Dabei verzeichneten die Aktienmärkte im ersten Quartal  die schnellste Korrektur in ihrer Geschichte, die darauffolgende Erholung fiel allerdings ebenso rasch aus. Unter dem Strich resultieren grösstenteils leicht positive Renditen. Wie geht die Reise nun weiter?


 

Konjunktur
Nach der globalen Rezession im letzten Jahr befindet sich die globale Konjunktur unverändert im Erholungsmodus. Positiv ist, dass eine medizinische Lösung zur Bekämpfung in naher Zukunft in ausreichender Form vorhanden sein wird. Die Tatsache, dass bereits im Dezember 2020 in den ersten Ländern mit Impfen begonnen wurde, stellt einen Beschleuniger für die wirtschaftliche Erholung dar und bedeutet zugleich einen grossen Schritt in Richtung Normalität.

Geld- und fiskalpolitische Massnahmen bleiben im kommenden Jahr zusätzlich wichtige positive Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung. Damit verharren die Zinsen 2021 weiterhin auf tiefen Niveaus. Zudem weisen die privaten Haushalte erhöhte Bargeldbestände auf. Damit ist der Grundstein für den Konsum und somit eine Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung gelegt.

Der wirtschaftliche Aufschwung wird aber von einer temporär höheren Arbeitslosenquote begleitet. Die Konjunkturerholung wurde durch die zweite Viruswelle in vielen Regionen nur marginal gebremst. In Bezug auf die Inflation erwarten wir unverändert moderate Raten und sehen kurzfristig kein Überschiessen. Da die Gefahr eines wirtschaftlichen Rückschlags besteht für den Fall, dass sich die Notenbanken zu früh von der expansiven Geldpolitik lösen, steigen aber die mittel- bis langfristigen Inflationsgefahren an. Ebenfalls wird der konjunkturelle Ausblick davon belastet, dass die Produktion vor allem in den Industrieländern weiterhin unter Potenzial bleibt. In diesem unsicheren Umfeld wird ein Grossteil der Unternehmen auf der Investitionsseite zudem zögerlich agieren.

Fürs 2021 gehen wir von einer graduellen Rückkehr zur Normalität aus. Damit erwarten wir eine positive wirtschaftliche Entwicklung. In diesem Umfeld erwarten wir gutes Wachstum, der Rücksetzer aus dem letzten Jahr wird aber nicht ganz kompensiert werden können. Davon sollten die Finanzmärkte profitieren können.


  • Festverzinsliche Anlagen
  • Aktien
  • Gold und Immobilien

​Die Zinsen bleiben auch im neuen Jahr von der Coronakrise und der zweiten Welle der Pandemie geprägt. Die expansiven Massnahmen der bedeutenden Zentralbanken zur Ankurbelung der Wirtschaft werden weitergeführt und reichen mindestens bis ins Jahr 2022. Die Währungshüter halten die Leitzinsen tief, bis die konjunkturelle Erholung auf gesunden Beinen steht und die Inflationsraten steigen. Für die Renditen am kurzen Ende der Zinsstrukturkurve besteht somit nur wenig Spielraum. Dank sich verbessernden Konjunkturaussichten dürften die Renditen am langen Ende allerdings über die Zeit moderat steigen.

Die Kreditaufschläge von Obligationen guter Bonität notieren im Dezember 2020 bereits wieder auf ähnlichen Levels wie zu Jahresbeginn. Die Krise hat jedoch deutliche Spuren in den Bilanzen der Unternehmen hinterlassen. Die Verschuldung ist stark angestiegen und die Profitabilität gesunken. Wir beobachten zudem starke Divergenzen in den verschiedenen Sektoren. Damit starten die Unternehmen mit schwächeren Bilanzen ins neue Jahr. Trotzdem sehen wir dem Jahr 2021 leicht positiv entgegen. Solange die Notenbanken ihre expansive Geldpolitik fortführen und die Finanzierungskosten für Unternehmen tief halten, werden sich Unternehmensanleihen weiterhin gut entwickeln. Das tiefe Renditeniveau treibt Anleger auf der Suche nach Rendite in risikoreichere Anlagen wie Hochzins- und Schwellenländeranleihen, welche davon profitieren.

  

Performance Anleihen 2020

​Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht ein spezielles Jahr. Wer seiner Aktienstrategie in diesem turbulenten Jahr treu geblieben ist, darf sich trotz aller Widrigkeiten an einer (leicht) positiven Rendite erfreuen.

 

Performance Aktien 2020
 

Wie geht es im neuen Jahr weiter? Das Licht am Ende des Tunnels ist sichtbar. Die Konjunkturerholung wird spätestens im 2. Quartal 2021 kommen. Kritische Stimmen behaupten zurecht, dass bereits viel Positives in den Aktienkursen eingepreist ist. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis der Aktienmärkte ist aus historischer Sicht stark erhöht, insbesondere dasjenige von Wachstumswerten. Analysten rechtfertigen die hohen Bewertungen mit niedrigen Zinsen. Solange diese tief bleiben, ist das Potenzial einer grossen Rotation von «Growth»- in «Value»-Aktien beschränkt. Zuletzt haben tief bewertete, zyklische Werte aufgeholt und dafür gesorgt, dass sich die Marktbreite erhöht hat. Mehr als zwei Drittel aller Titel an den wichtigsten Aktienmärkten befinden sich über ihrem 200-Tages-Durchschnittskurs. Ein Indikator dafür, dass der Aufwärtstrend nach einer Konsolidierung im neuen Jahr weitergehen dürfte.

 

Value und Realzinsen


Der grösste Belastungsfaktor für die Aktienmärkte bleibt die Beeinträchtigung der wirtschaftlichen Entwicklung durch die Corona-Pandemie (erneute «Lockdowns»). Der Durchbruch an der Impfstofffront verbessert allerdings die makroökonomische Perspektive und damit auch diejenige für Aktien. Bessere Unternehmensergebnisse werden die Aktienmärkte unterstützen und mögliche Bewertungskorrekturen ausgleichen. Zudem werden die Fiskal- und Geldpolitik vorerst expansiv bleiben. Der konstruktive Ausblick begünstigt zyklische Anlagen. Sowohl innerhalb des Heimmarktes wie auch auf globaler Ebene erwarten wir eine Überrendite von klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen gegenüber grosskapitalisierten Unternehmen. Defensive Aktien werden weiterhin einen schweren Stand haben, leisten aber nach wie vor einen wichtigen Diversifikationsbeitrag im Portfolio. Als attraktiv erachten wir Schwellenländeraktien. Ein besseres Pandemie-Management, niedrigere Bewertungen, die dynamischere Entwicklung der Unternehmensgewinne sowie ein schwächerer US-Dollar sprechen für die Beimischung von Aktien aufstrebender Länder. Innerhalb der Aktienselektion liegt der Fokus weiterhin auf Qualitätstiteln mit langfristigen Wettbewerbsvorteilen und gutem ESG-Rating. Aufgrund des starken Momentums wurde in den GKB Aktienfonds der Anteil zyklischer Werte zuletzt erhöht.

 

​Auf Seiten der Alternativen Anlagen zeigte sich im vergangenen Jahr eine ambivalente Entwicklung Während das Edelmetall Gold auf eine rege Nachfrage traf und überdurchschnittliche Kursgewinne verzeichnen konnte, entwickelten sich die Immobilienmärkte stabil. Bei den Immobilien gab es jedoch innerhalb der Segmente deutliche Unterschiede. So waren Wohnimmobilien gefragt, das Retailgeschäft wie Geschäftshäuser und Läden im Non-Food-Bereich kamen indessen deutlich unter Druck und damit auch die Bewertungen der Liegenschaften.

Für 2021 versprechen wir uns ein weiterhin freundliches Umfeld für Immobilien. Auf Mieterseite stützt weiterhin die stabile Zuwanderung die Nachfrage und auch bei der Mieterlass-Debatte dürfte im kommenden Jahr Klarheit geschaffen werden. Bei den Immobilienbewertungen erwarten wir aber etwas weniger Wertsteigerungspotenzial als noch in den letzten Jahren. Entlastung gibt es weiterhin von Seiten der Fremdkapitalkosten, welche durch das anhaltende Tiefzinsumfeld kontinuierlich sinken. Wir erwarten im 2021 eine teilweise Angleichung der Preise von Fonds mit Fokus auf Kommerz an jene mit Fokus auf Wohnen. Wobei der Unterschied der Agios (Aufpreise) erhöht bleiben wird. Strukturelle Veränderungen aufgrund von Homeoffice schätzen wir aktuell noch als beschränkt ein, dürften aber die nächsten Jahre durchaus zu Veränderungen führen. Damit erfüllen Immobilien im Portfoliokontext weiterhin eine wichtige Funktion als stabile und ertragsreiche Anlageklasse.

Das Edelmetall Gold dürfte einen schwierigeren Start ins neue Jahr erfahren. Gute Nachrichten rund um Corona und die expansive Geld- und Fiskalpolitik haben den Risikoappetit der Anlegenden weiter ansteigen lassen. Die Beruhigung an den Märkten zeigt sich an den erhöhten Abflüssen aus den Gold-ETF‘s, welche sich bereits Ende 2020 akzentuierten. In den letzten Jahren hatte die Entwicklung der Realzinsen einen entscheidenden (inversen) Einfluss auf den Goldpreis.

 

Goldpreis und Realzinsen

 

Da Anlegende in einem positiven Marktumfeld vermehrt auf Aktien setzen und die Investitionen in Staatsanleihen reduzieren, steigen die Realzinsen an (vorausgesetzt, die Inflation steigt nicht überproportional, wovon wir nicht ausgehen). Solange die Realzinsen aber tief oder gar negativ sind ist der negative Einfluss auf den Goldpreis beschränkt. Als wichtigster Aufwärtstreiber bleibt somit die Entwicklung des US-Dollars. Zudem besticht Gold weiterhin mit seinen Eigenschaften als wichtiger Diversifikator der risikobehafteten Anlagen in einem gemischten Portfolio.


 

 


 

 

Gemeinsam wachsen.