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Hält der Siegeszug der Wachstumsaktien an?

Datum: 16.08.2021 
Autor: Daniel Lüchinger

Die Schere zwischen «Value» und «Growth» ist im letzten Jahr weiter auseinandergegangen. Welche Entwicklung ist zu erwarten und was sollte man bei der Portfoliostrukturierung beachten?


«Growth und Value ergänzen sich ideal.»

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind vielfältig. Profiteure am Aktienmarkt waren beispielsweise stark wachsende Unternehmen aus dem Technologiesektor. Mit Wachstumsaktien konnte in den letzten Jahren viel Geld verdient werden. Weit weniger gut entwickelten sich Substanzwerte, also sogenannte «Value»-Aktien. Die Schere zwischen diesen beiden Anlagestilen ist im letzten Jahr noch weiter auseinandergegangen.

Setzt sich der Siegeszug der Wachstumsaktien fort oder sollte man jetzt auf «Value»-Titel umsatteln?

«Value» und «Growth» – hierbei handelt es sich um zwei fundamentale Ansätze in der Aktienselektion. Und diese könnten unterschiedlicher nicht sein.

«Value» fokussiert vor allem auf Aktien, welche im Markt unterbewertet sind. Über Jahrzehnte war dies der bevorzugte Anlagestil. So zeigte etwa Warren Buffet beispielhaft, dass mit unterbewerteten Aktien eine Überrendite erzielt werden kann. Seit der Finanzkrise gerät «Value» aber zunehmend ins Hintertreffen. Zu stark haben sich Wachstumstitel aus der «New Economy» – wie Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon oder Facebook – im Vergleich zu Unternehmen der «Old Economy» aus den Sektoren Finanzwesen, Energie und Versorgung entwickelt. Auch wenn die Faktorprämie von Wachstumsaktien lange Zeit verkannt wurde, so kann heute festgestellt werden: Wachstumsstarke Unternehmen mit einem profitablen Geschäftsmodell und einer mit dem Markt vergleichbaren Volatilität erzielen eine überdurchschnittliche Rendite.

Sowohl innerhalb des «Value»- als auch «Growth»-Anlagestils gibt es zyklische und defensive Branchen. Zyklische «Value»-Aktien sind beispielsweise bei Banken oder Automobilherstellern, defensive «Value»-Aktien bei Telekommunikationsunternehmen oder Versorgern zu finden. Zyklische «Growth»-Aktien sind beispielsweise Halbleiterunternehmen. Medizintechnikproduzenten gehören zu den defensiven «Growth»-Aktien. Die Treiber für die relative Kursentwicklung von «Cyclical vs. Defensive» und «Growth vs. Value» sind unterschiedlich: Während bei der ersten Gruppe die Wirtschaftsentwicklung, beispielsweise vorlaufende Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex («Purchasing Managers Index», PMI), massgeblichen Einfluss auf die Wertentwicklung hat, ist es bei der zweiten Gruppe die Zinsentwicklung. So führte in der Vergangenheit ein höherer PMI in der Tendenz zu einer Überrendite von zyklischen Aktien. Wachstumsstarke Aktien entwickelten sich vor allem in Phasen stark fallender Zinsen besser als «Value»-Aktien.

Prognosen, welcher Anlagestil sich in den nächsten Monaten besser entwickeln wird, sind genauso gewagt wie Schätzungen zur Wirtschafts- oder Zinsentwicklung. Da sich die beiden Stile ideal ergänzen ist eine Kombination vorteilhaft. Dank dieser Diversifikation werden Kursschwankungen im Portfolio verringert und die langfristigen Renditeaussichten sogar verbessert.

Unser Fazit: Nicht alle Wachstumsunternehmen sind ihren Preis wert. Der Zeitpunkt für eine Portfoliobereinigung ist jetzt günstig. Der Fokus sollte dabei auf Unternehmen mit hoher Profitabilität und langfristigen Wettbewerbsvorteilen gelegt werden.



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