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Jahresauftakt 2022 im Fokus

Datum: 17.01.2022 

​Was für ein Jahresauftakt. 10-jährige Schweizer Staatsanleihen handeln seit längerem erstmals wieder im positiven Bereich. Auf der Aktienseite sind die Vorjahressieger die Verlierer im laufenden Jahr. Wird in diesem Jahr also alles anders?

 

«Die Weltwirtschaft ist auch mit weniger geld- und fiskalpolitischer Unterstützung robust genug.»

Was für ein Jahresauftakt. 10-jährige Schweizer Staatsanleihen handeln seit längerem erstmals wieder im positiven Bereich. Auf der Aktienseite sind die Vorjahressieger die Verlierer im laufenden Jahr. Wird in diesem Jahr also alles anders?

Die Phase der negativen Zinsen kommt wohl so langsam zu ihrem Ende. Die Schweizer Franken Zinsen sind in den letzten Wochen stark gestiegen. Pünktlich zum Jahreswechsel sprang die Rendite für 10-jährige Eidgenossen erstmals seit 2018 wieder über die psychologisch wichtige Marke von Null Prozent. Dafür gibt es gute Gründe. Das globale Wirtschaftswachstum 2021 fällt kräftig aus. Die Erholung aus der Rezession hat die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in die Höhe schiessen lassen. Auch wenn die Wachstumsraten an Schwung verloren haben, liegen sie noch auf überdurchschnittlichen Niveaus – dies erwarten wir auch fürs Jahr 2022.

Beinahe gleichzeitig erlebten wir auch eine Rotation an den Aktienmärkten. Während Technologieaktien stark korrigiert haben, konnten beispielsweise Finanzwerte deutlich zulegen. Diese beiden Phänomene haben einen gemeinsamen Nenner: die Geldpolitik der Notenbanken.

Mit Argusausgen beobachten die Notenbanker die Inflationsentwicklung in den letzten Monaten. Denn sie sind der Preisstabilität verpflichtet und müssen bei einem nachhaltigen Überschiessen eingreifen und den Normalisierungsprozess von der aktuell ultra-expansiven Geldpolitik in die Wege leiten. Aufgrund der hohen Inflation und des erfreulichen Wirtschaftswachstums sind die Notenbanken in der Lage ihre Geldpolitik weniger expansiv zu gestalten. Besonders angelsächsische Notenbanken haben damit bereits begonnen und dadurch die Zinsen steigen lassen. Wegen der hohen Teuerungsrate gerät besonders die amerikanische Notenbank zunehmend unter Druck die geldpolitischen Zügel schneller anzuziehen als bisher geplant.

Wir erwarten in diesem Jahr drei bis vier Leitzinserhöhungen der amerikanischen Notenbank, was vor allem die kurzfristigen US-Dollar Zinsen steigen lässt. Am langen Ende der Zinsstrukturkurve ist es komplizierter: Die restriktivere Geldpolitik muss nicht zwingend zu höheren langfristigen Zinsen führen wie uns die Vergangenheit lehrt. Die Europäischen Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank werden weiterhin expansiv agieren. Sie haben es weniger eilig von ihrer extrem expansiven Geldpolitik abzukehren.

Von den steigenden Zinsen sollten insbesondere zyklische Aktien wie etwa Finanzwerte profitieren können. Für die Kursentwicklung von Wachstumswerte aus dem Technologiesektor sind jetzt vor allem deren Bewertung und die Gewinnentwicklung der Unternehmen entscheidend.

Unser Fazit: Eines hat sich für 2022 wohl wirklich verändert. Neu wird die Entwicklung der Wirtschaft und auch der Finanzmärkte massgeblich durch die Geldpolitik der Notenbanken und nicht mehr hauptsächlich durch die Entwicklung des Coronavirus geprägt sein. Wir sind der Meinung dass die Weltwirtschaft robust genug ist, auch mit einer restriktiveren Geldpolitik und weniger staatlichen Unterstützungsmassnahmen weiter nachhaltig zu wachsen.

Gemeinsam wachsen.