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Ist eine Rezession in Sicht?

Datum: 09.05.2022 

​Zahlreiche Notenbanken haben aufgrund der hohen Inflationsraten den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik eingeleitet. Die Inflationsbekämpfung hat auch für die US-Notenbank Fed aktuell oberste Priorität. Die geldpolitische Straffung bringt jedoch Risiken für die weitere Konjunkturentwicklung mit sich. Eine Wachstumsverlangsamung ist unausweichlich.

«Das Zünglein an der Waage ist die Entwicklung der Inflation.»

Am letzten Mittwoch hat die Fed den Leitzins gleich um ein halbes Prozent erhöht. Der Leitzins befindet sich neu in der Bandbreite von 0.75 bis 1.0 Prozent. Das ist die stärkste Zinserhöhung seit dem Jahr 2000. Sie ist entschlossen die hohe Inflation zu bändigen und kündigte weitere grosse Zinsschritte an. Für dieses Jahr werden noch acht weitere Zinsschritte erwartet. So wird die Geldpolitik deutlich restriktiver. Dies sorgt für Verunsicherung an den Märkten.

Gelingt der Fed eine weiche Landung und was bedeutet die Zinserhöhung für die Entwicklung der Aktienmärkte?

Die Fed startet den Zinserhöhungsprozess und die Marktteilnehmer spekulieren bereits über das mögliche Ende. Die weitere Entwicklung der Aktienmärkte hängt entscheidend davon ab, ob der Fed eine sogenannte «weiche Landung der Wirtschaft» gelingt. Also die Inflation in den Griff zu bekommen ohne gleichzeitig eine Rezession auszulösen. Die Inflation einzudämmen ohne die Wirtschaft in eine Rezession zu stürzen, ist ein schwieriges Unterfangen. Leider ist die Erfolgsquote der Notenbank dabei nicht allzu gut. In den letzten 50 Jahren lösten sieben von neun Zinserhöhungszyklen in den USA eine Rezession aus.

Eine Verlangsamung des Wirtschafswachstums ist nicht zu verhindern. Wir sind aber für die Entwicklung der Konjunktur trotzdem optimistisch. Die Wachstumstreiber wie zum Beispiel der Arbeitsmarkt und der Konsum zeigen sich weiterhin sehr robust. Wichtig ist, dass die enorm hohe Inflation in den nächsten Monaten sichtbar zurückgeht. Eine erste Indikation dazu bekommen wir diesen Mittwoch mit den Zahlen zur Inflationsentwicklung im April. Zu beachten gilt, dass die Geldpolitik verzögert wirkt. In der kurzen Frist kann die US-Notenbank die Inflation nicht eindämmen. Für eine rückläufige Inflation müssten die Rohstoffpreise sinken und oder die Lieferkettenproblematik müsste sich entspannen. Die Inflationsraten werden somit auch Ende Jahr auf erhöhten Levels bleiben.

Unser Fazit: Mit der strafferen Geldpolitik, dem Ukraine-Krieg sowie den sinkenden Wachstumsraten lasten einige negative Faktoren auf den Märkten. Wir erwarten zwar keine Rezession sehen in der kurzen Frist aber wenig Potential für höhere Aktienkurse und empfehlen deshalb eine defensive Ausrichtung der Aktienquote. Das Zünglein an der Waage ist und bleibt die weitere Entwicklung der Inflation. Aus Anlagesicht profitiert der US-Dollar aktuell von der strafferen Geldpolitik und ist so gefragt wie seit zwanzig Jahren nicht mehr. Die Zinsdifferenz und die steigenden Konjunktursorgen stützen den US-Dollar.


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