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Ist die US-Notenbank noch unabhängig?

Anlage-Fokus

Datum: 02.09.2025 

​​​​​​​Für US-Präsident Trump sind die Zinsen aktuell deutlich zu hoch. Wie üblich hat er auch schnell einen Schuldigen gefunden. Den Notenbank-Chef Jerome Powell. In den letzten Wochen hat Trump darum den Druck auf die Notenbank erhöht. Zuletzt hat er sogar über seinen Social-Media-Kanal angeordnet, die FED-Gouverneurin Lisa Cook zu entlassen. Gemeinsam mit Jens Korte werfen wir einen Blick auf die amerikanische Wirtschaft.​​

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Die Unabhängigkeit der US-Notenbank gilt als heilig. Aber ist das auch unter US-Präsident Trump noch so? 

Es ist eine grosse Debatte, inwieweit die Unabhängigkeit der amerikanischen Notenbank noch gewährleistet ist. Ich sage schon mal vorab, nicht mehr wirklich. Es wurde viel debattiert, ob Donald Trump den US-Notenbankchef Jerome Powell feuern will, feuern wird, feuern darf. Jetzt setzt der amerikanische Präsident ganz woanders an. Er will die Mehrheit im Gouverneurs-Board. Ganz kurz erklärt: Die sieben FED-Gouverneure entscheiden über die Zinsen in den USA. Zwei davon wurden von Donald Trump in seiner ersten Amtszeit einberufen. Eine weitere Person kommt jetzt neu von ihm hinzu, weil eine Gouverneurin zurückgetreten ist. Jetzt hat Trump einen Skandal losgetreten, da er die Gouverneurin Lisa Cook feuern will. Ab​er früher oder später ist es wahrscheinlich, dass Donald Trump tatsächlich die Mehrheit im Board of Governors für sich verbuchen kann. Die amerikanische Notenbank ist in gewisser Weise zu einem politischen Spielball geworden und meiner Meinung nach ist die Unabhängigkeit nicht mehr wirklich gewährleistet. 

Die Aktienkurse an Wall Street hat das so gar nicht beeinflusst. Was hörst du zu diesem Thema in New York?

​​Es ist erstaunlich, wie entspannt die Wall Street bleibt. Ganz grundsätzlich ist die Unabhängigkeit der Notenbank entscheidend dafür, um das Vertrauen in den Dollar zu stärken, ebenso das Vertrauen in amerikanische Staatsanleihen. Was den Vereinigten Staaten und der Wall Street wahrscheinlich hilft, ist, dass es nach wie vor noch keine richtige Alternative zum Dollar oder zu amerikanischen Staatsanleihen gibt. Wenn ich entspannt sage, kann man das eigentlich nur unterstreichen. Der Dow Jones hatte gerade erst vor kurzem ein neues Allzeithoch erreicht. Der S&P 500 Index erst vergangene Woche ebenfalls mit einer neuen Bestmarke. Aber ob das wirklich gerechtfertigt ist, so entspannt zu bleiben, das ist eine grosse Debatte. Und ich persönlich habe da ein wenig meine Zweifel. 

Wie sieht die Gesamtwirtschaftslage anfangs September in den USA aus? 

Grundsätzlich präsentiert sich die amerikanische Wirtschaft immer noch sehr robust. Dies bestätigen die aktualisierten Schätzungen zum amerikanischen Wirtschaftswachstum, welche ein Wachstum von 3,3 Prozent zeigen. Das ist ein starkes Wachstum, vor allem wenn wir bedenken, dass es im ersten Quartal noch einen Rückgang beim Wirtschaftswachstum gegeben hatte. Jetzt allerdings der September: Das ist traditionell der schwächste Börsenmonat des Jahres. Natürlich ist das keine Garantie, dass es mit den Kursen nach unten geht. Aber es gab so ein paar kleine Abkühlungsszenarien, zum Beispiel am amerikanischen Arbeitsmarkt. Und dann ist ja schon auch noch die Frage offen, was die Zölle für den amerikanischen Konsumenten bedeuten. Also das sind schon spannende Wochen, die jetzt vor der Wall Street und vor den Investoren liegen. ​


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