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Ist das Inflationsgespenst zurück?

Datum: 17.05.2021 
Autor: Daniel Lüchinger

Die Anzeichen für ansteigende Inflation mehren sich. So sind beispielsweise die Preise für Rohöl oder Kupfer alleine in diesem Jahr um über 30 Prozent angestiegen. Diese einzelnen Beobachtungen werden auch durch die neusten Daten zur Inflationsentwicklung in den USA bestätigt. Mit 4.2 Prozent erreichte die Jahresteuerung den höchsten Stand seit mehr als zwölf Jahren. Was bedeutet dies für die Finanzmärkte?

«Der starke Anstieg der Inflation ist nur vorübergehend.»

 

Der Anstieg ist für einmal weniger auf die volatilen Komponenten wie Energie- und Nahrungsmittelpreise zurückführen. Auffällig sind die kräftigen Preissteigerungen in denjenigen Güter- und Dienstleistungssegmenten, welche durch die Wiederöffnung der Wirtschaft stark nachgefragt wurden. Als Beispiele sind Gebrauchtwagen, Flugtickets und Hotelübernachtungen anzuführen. Der Preisanstieg ist durch den Lockdown im letzten Jahr auf einen Basiseffekt zurückzuführen und stark verzerrt. Trotzdem wurden die Erwartungen der Marktteilnehmer deutlich übertroffen.

Welche Auswirkungen hat die ansteigende Inflation auf die Finanzmärkte? In einer ersten Reaktion korrigierten die Aktienmärkte stark. Grund für die Korrektur ist die Angst, dass die US-Notenbank Fed die Leitzinsen – als Folge des aufkeimenden Inflationsdrucks – früher und deutlich stärker erhöhen muss als bisher kommuniziert. Am stärksten fiel daher der Ausverkauf bei Aktien aus dem zinssensitiven IT-Sektor aus. Diese verzeichneten gar die grösste Korrektur seit mehr als elf Wochen. Dank einem versöhnlichen Wochenschluss wurden die Verluste aber eingegrenzt. Die wichtigsten Börsenindizes schlossen dabei per Saldo der letzten Woche nur leicht tiefer.

Die Diskussion, wann die Fed von ihrem Expansionskurs abkehren wird, dürfte die Finanzmärkte noch länger beschäftigen. Die US-Notenbank wird sich allerdings erst dann zu einem ersten Zinsschritt gezwungen sehen, wenn die Teuerung dauerhaft über dem Zielwert von 2 Prozent zu liegen kommt. Hierfür reicht eine Inflationsüberraschung nicht aus. Zwar lässt die Entwicklung der Vorjahreswerte erwarten, dass die Teuerungsrate in den USA weiter zulegen wird – die Sommermonate werden aber eine gewisse Entspannung an der Preisfront bringen. Auch jüngste Kommentare von Fed-Vertretern verdeutlichen, dass der Anstieg der Inflation grösstenteils vorübergehende Faktoren widerspiegelt und die Notenbank deshalb bei ihrer Geldpolitik geduldig bleiben kann.

Für eine dauerhaft erhöhte Inflation braucht es den Mechanismus der Lohn-Preis-Spirale. Unmittelbar ist jedoch nicht mit einem erhöhten Lohndruck zu rechnen: Die Arbeitslosigkeit ist in den USA weiterhin hoch und auch die Partizipationsrate am Arbeitsmarkt liegt klar unterhalb derjenigen vor der Pandemie.
Die Finanzmärkte haben den Anstieg der Teuerung vorerst einmal verdaut. In einem Umfeld mit starkem Wachstum werden die Verlierer des letzten Jahres am stärksten profitieren. Es empfiehlt sich, in Aktien investiert zu bleiben und den Fokus auf zyklische Titel zu setzen.

 

Gemeinsam wachsen.