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Negativzinsen? Die Hürden für die SNB sind sehr hoch.

Datum: 22.09.2025 

​​​​​​​​​​Gemeinsam mit Fabio Canetg, Geldpolitik-Experte und Wirtschaftsjournalist, werfen wir in der aktuellen Ausgabe des GKB Anlage-Fokus einen Blick auf die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB.​

​«Eine tiefe Inflationsprognose allein reicht nicht für Negativzinsen.»


Am Donnerstag steht der Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB) an. Die Zinsen in der Schweiz sind mit null Prozent bereits tief. Aktuelle Wirtschaftsdaten sowie die Inflation sprechen für eine Beibehaltung der Nullzinspolitik. Gemeinsam mit Fabio Canetg, Geldpolitik-Experte und Wirtschaftsjournalist, werfen wir in der aktuellen Ausgabe des GKB Anlage-Fokus einen Blick auf die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB.​


Die SNB hat mehrfach betont, dass die Hürde für die erneute Einführung von Negativzinsen hoch sei. Fabio Canetg, unter welchen konkreten Umständen wäre die SNB dennoch gezwungen, diesen Schritt zu gehen?

Ja, das hat SNB-Präsident Martin Schlegel an einer Pressekonferenz im Juni so gesagt – zur Überraschung vieler. Schlegel wollte dies, wohlgemerkt ohne Not, sehr aktiv platzieren: Negativzinsen gibt es nicht einfach so wieder – dafür brauche es einiges. Ich gehe deshalb davon aus, dass eine tiefe Inflationsprognose allein nicht ausreichen wird. Die Inflationsprognose müsste also sicher deutlich im negativen Bereich zu liegen kommen und die Wirtschaftslage müsste sich gleichzeitig klar verschlechtern – das sehe ich heute nicht.


Welche Folgen hätte die Wiedereinführung von Negativzinsen konkret für die breite Bevölkerung?

Allgemein kann man sagen: Ein sinkender Leitzins führt früher oder später zu tieferen Zinsen auf dem Bankkonto. In den letzten Jahren gab es wieder etwas an Zinsen – diese Zeit scheint nun wieder vorbei zu sein. Das sind auf den ersten Blick schlechte Nachrichten für Sparerinnen und Sparer. Auf der anderen Seite entwertet sich das Geld auf dem Konto kaum noch, da die Inflation auf 0.2 Prozent gesunken ist. Für Kreditnehmerinnen und Kreditnehmer sind sinkende Zinsen eine gute Sache. Vor allem SARON-Hypotheken sind zuletzt günstiger geworden. Ob das bei einem allfälligen Schritt ins Negative so weitergehen würde, kommt dann allerdings auf die Bank an. Viele Banken haben bereits in der letzten Negativzins-Phase von 2015 bis 2022 die noch tieferen Zinsen nicht weitergegeben. Dafür haben sie auch kaum Negativzinsen auf ihre Privatkunden abgewälzt. Die meisten Kundinnen und Kunden sind also relativ gut abgeschirmt vor möglichen Negativzinsen.


Wie beeinflussen ausländische Zinsentscheide wie die jüngste Zinssenkung der Federal Reserve (Fed) die geldpolitische Strategie der SNB?

Die US-Zentralbank Fed hat letzte Woche die Zinsen gesenkt – um 0.25 Prozentpunkte auf neu 4 bis 4.25 Prozent. Eine Zinssenkung gab es deshalb, weil der Arbeitsmarkt in den USA schwächelt und der Leitzins noch immer recht hoch ist. Der Schweizer Franken hat nach dem Entscheid gegenüber dem US-Dollar leicht abgewertet. Das ist auf den ersten Blick etwas kontraintuitiv. Man würde meinen, dass sinkende Zinsen in New York dazu führen, dass die Leute ihr Geld lieber nach Zürich oder Chur bringen – oder einfach weg aus den USA. Doch dieser Zinsentscheid der US-Zentralbank war bereits so erwartet worden und hat deshalb kaum Auswirkungen auf die Politik der SNB.


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