Goldbarren

Gold im Höhenflug

Datum: 16.07.2020 
Autor: David Gartmann

 

Die Nachfrage nach einer sicheren Wertanlage ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie ungebrochen. Der Preis für eine Unze Gold verzeichnet seit gut zwei Jahren einen fast linearen Anstieg. In Schweizerfranken markierte der Preis für eine Feinunze Gold im laufenden Monat sogar ein neues Allzeithoch.

 

Gold

 

Trotz einer kurzen, aber heftigen Corona-Delle im März konnte der Preis einer Feinunze Gold im laufenden Jahr in US-Dollar um rund 19% an Wert zulegen. Aufgrund des schwächeren US-Dollars fällt die Performance in Schweizerfranken mit rund 16% etwas tiefer aus.

 

Was sind die wichtigsten Treiber der aktuellen Goldpreisentwicklung?

Die Verbreitung des Coronavirus rund um den Globus scheint bei Anlegern die Hoffnung auf eine baldige Erholung der Wirtschaft zu dämpfen. Zudem haben die grenzenlosen Geldspritzen der Notenbanken zusammen mit einer deutlich ansteigenden Verschuldung der Länder dem Vertrauen vieler Menschen selbst in die stabilsten Währungen einen Dämpfer versetzt. Immer mehr Anleger befürchten, dass die enorme Geldflut früher oder später zu einer steigenden Inflation führen könnte. Aufkeimende Inflationsrisiken können von den Notenbanken aufgrund der Ausweitung der globalen Staatsverschuldung kaum mit spürbaren Zinserhöhungen bekämpft werden. Die Realzinsen werden auf lange Sicht negativ bleiben, was für weitere Goldpreisanstiege ein hervorragendes Fundament gewährleisten sollte.

 

Gold gilt traditionell als Inflationsschutz, doch funktioniert Gold als Inflationsschutz?

Gold schützt nicht immer zwangsläufig vor einer Inflation, wie die Jahre 1980 bis 2000 gezeigt haben. Ein gewisser Inflationsschutz kann dem Edelmetall allerdings nicht abgesprochen werden. Dasselbe gilt aber auch für andere Anlageklassen wie Aktien und Immobilien. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Anstieg des Goldpreises seit dem Sommer 1973 nicht nur die Inflation ausgleichen konnte, sondern in der realen Betrachtung für den Investor eine positiven Wertzuwachs geliefert hat.

 

Goldpreis 


Seit 1973 stieg der Preis einer Feinunze Gold bis Ende Juni 2020 von rund USD 120.- auf rund USD 1'800.-. Das entspricht einem Preiszuwachs von jährlich 5.9% – während sich die US-Konsumentenpreise nur um 3.8% verteuerten. Wäre Gold ein guter kurzfristiger Inflationsschutz, müsste die Entwicklung des realen Goldpreises mehr oder weniger eine gerade Linie abbilden und sollte keine grossen Schwankungen aufweisen. Wie obige Grafik zeigt, verlief diese Entwicklung aber nicht wie mit einem Lineal gezogen. In Jahren, in denen der Preis von Gold stärker als die Inflation anstieg, verläuft die Linie des realen Goldpreises über der horizontalen Linie des «Inflationswertes». Kann der Goldpreis hingegen nicht mit der Entwicklung der Inflation mithalten, fällt der reale Goldpreis unter diese horizontale Linie.

Wäre Gold ein guter Inflationsschutz, müsste der Preis des Goldes über eine Periode so schnell wie die allgemeinen Konsumentenpreise steigen. Erb und Harvey untersuchten dies anhand der US-Daten ab 1975. Warum erst ab 1975? Weil es erst ab diesem Zeitpunkt für US-Anleger wieder legal war, Gold zu besitzen und es deshalb erst von da an einen Marktpreis für Gold gibt. Sie stellen in einer Grafik die monatlichen Goldpreise den US-Konsumentenpreisen gegenüber.

 

Kosnumpreisinflation


Die schwarze Regressionslinie zeigt deutlich, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen den Preisen für Gold und jenen eines Warenkorbs eines Konsumenten gibt. Aber der Goldpreis schwankt sehr ausgeprägt um die Inflationslinie. Ein richtig guter Inflationshedge sieht so nicht aus. Nähme man den aktuellen Stand des Konsumentenpreisindex, müsste der Preis einer Feinunze Gold bei etwa bei USD 1'100 liegen.

 

Wer kauft derzeit Gold?

Aktuell treiben vor allem mittel- bis langfristig orientierte Investoren den Goldpreis an. Sie kaufen Anteile von ETFs und ETCs - Anlageprodukte, die die Entwicklung der Edelmetallnotierung exakt wiedergeben. Deren Bestände steigen seit Monaten stetig. Wenig Unterstützung erhielt der Goldpreis zuletzt durch Schmuckkäufer. Die Corona-Krise würgte die Nachfrage vor allem in Asien ab. Aber auch die globalen Notenbanken kaufen aktuell weniger Gold. Die chinesische Zentralbank hat 2020 kein Gold gekauft und die russische Zentralbank, zuletzt der grösste Käufer, hat ihre Zukäufe im März gestoppt.

 

Fazit

Gold gilt als Absicherung gegen unsichere Zeiten an den Finanzmärkten. Eine Gold-Investition kann in einem diversifizierten Portfolio durchaus sinnvoll sein. Zu beachten ist aber, dass physisches Gold keine Zinsen abwirft und der Goldpreis oft grossen Schwankungen unterworfen ist. Die Graubündner Kantonalbank ist innerhalb ihrer Anlagestrategie mit rund 5% der Anlagesumme in Gold investiert.

 


 

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