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GKB Anlagepolitik für das 4. Quartal 2021

Corona, Inflation und Tapering-Diskussion dominieren die Märkte.

Datum: 21.09.2021 
Autor: Adrian Schneider


Die jüngsten Daten zur Wirtschaftslage konsolidieren auf hohem Niveau und sind teils rückläufig. Zudem zog die Inflation jüngst besonders in den USA und der Eurozone stark an. Ein Umfeld mit beständig hoher Inflation in Kombination mit hoher Arbeitslosigkeit und geringem Wirtschaftswachstum, auch bekannt als Stagflation, wäre ein äusserst schlechter Mix für ziemlich alle Anlageklassen und nicht wünschenswert. Das Szenario einer Stagflation können wir unmittelbar jedoch nicht erkennen.


Auch wenn der Höhepunkt des Wachstums überschritten zu sein scheint, lassen die neusten Daten, wie etwa die Einkaufsmanagerindizes, weiterhin auf ein überdurchschnittliches Wachstum schliessen und signalisieren einen leicht sinkenden Preisdruck. Zudem sehen wir weiterhin sehr gute Finanzierungsbedingungen für Unternehmen und diverse Fiskalprogramme, die das globale Wachstum weiterhin unterstützen werden. Das sind gute Nachrichten für Anlegende, da dieses Umfeld die Märkte weiterhin unterstützen wird.


Performance 3. Quartal 2021: Aktienrisiken zahlen sich aus

Die Zinsen sind im 3. Quartal leicht gesunken. Damit konnte für einmal auch mit Anleihen Geld verdient werden. 

Die Aktienmärkte legten auch dieses Quartal weiter zu. Enttäuschend war einzig die Entwicklung der Schwellenländeraktien. Dort belasten vor allem Valoren aus China, welche aufgrund diverser regulatorischer Eingriffe der Regierung deutlich nach unten korrigiert haben. In der Folge haben vor allem Technologieaktien aus China deutlich an Wert verloren.

Weiterhin zulegen konnten die Rohstoffpreise. Treiber waren dieses Quartal die Industriemetalle und die steigenden Gaspreise. Auf der Währungsseite hat der Schweizer Franken gegenüber allen Hauptwährungen verloren.


Performance


Positionierung für das 4. Quartal 2021

Das aktuelle Umfeld spricht weiterhin für Aktien. Wir halten daher an der Übergewichtung der Aktienquote fest. Innerhalb der Aktienanlagen favorisieren wir Aktien von klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen. Value-Aktien aus Europa erachten wir aufgrund der günstigen Bewertung ebenfalls als attraktiv. Diese bieten zudem einen gewissen Schutz vor steigenden Zinsen. Auch Aktien aus der Schweiz halten wir übergewichtet. Hier überzeugen vor allem der defensive Charakter des Marktes und die sehr gute Qualität der Unternehmen.

Die Obligationenquote halten wir in Erwartung leicht steigender Zinsen weiterhin untergewichtet. Aufgrund des schlechteren Rendite-Risiko-Verhältnisses im Vergleich zu Schweizer Aktien reduzieren wir unser Engagement in Hochzinsanleihen.

Innerhalb der Alternativen Anlagen bleiben wir untergewichtet in Gold.


Positionierung



Lagebeurteilung Konjunktur

Die Weltwirtschaft erholt sich weiter von der Pandemie. Im ersten Halbjahr konnte ein kräftiges Wachstum erzielt werden, welches nun seinen Höhepunkt erreicht haben könnte: Die Weltwirtschaft schaltet einen Gang zurück.

Die Ausbreitung der hochansteckenden Delta-Mutation trübt den Wirtschaftsausblick ein, und auch die Stimmung von Konsumenten und Unternehmen hat etwas nachgelassen. Vor allem in Ländern mit einer tiefen Impfquote ist die Lage schwierig, da erneute Einschränkungsmassnahmen die wirtschaftliche Erholung zurückbinden. Allerdings ist ein Stillstand der wirtschaftlichen Erholung nicht zu erwarten, da wir in Ländern mit hoher Impfquote nicht mit einschränkenden Massnahmen rechnen.


Inflation steigt an

Die Inflationsraten sind insbesondere in den USA stark angestiegen und verharren auf hohem Niveau. In der Eurozone und der Schweiz steigen die Verbraucherpreise zwar ebenfalls an, befinden sich jedoch besonders in der Schweiz auf einem moderaten Level. Die massive Stimulierung der Wirtschaft in Zusammenhang mit der Pandemie führte zu einem hohen Nachholbedarf und zu Lieferengpässen in einzelnen Regionen. In einigen Segmenten lässt sich daraus resultierend ein hoher Preiseffekt feststellen. Der Basiseffekt hat den Preisauftrieb zusätzlich verstärkt.

Eine rasche Entspannung ist derzeit nicht in Sicht. Umfragen bei Einkaufsmanagern deuten darauf hin, dass die Unternehmen den Kostendruck auf die Endpreise überwälzen möchten. Die Inflation dürfte sich somit als hartnäckiger erweisen, als ursprünglich gedacht. In der Summe erachten wir das Szenario aufgrund der massgeblichen Treiber und aktuell ausbleibenden Zweitrundeneffekten, wie deutlich anziehender Löhne, als temporär.


Kosten- und Preisdruck weiterhin hoch


Notenbanken reagieren auf steigende Inflation

In einigen Schwellenländern haben die steigenden Teuerungsraten bereits zu Zinserhöhungen durch die Zentralbanken geführt. Die Ausnahme bildet derzeit China. Aufgrund der wirtschaftlichen Verlangsamung ist dort eher mit einer Lockerung der Geldpolitik zu rechnen. In den USA hat die Notenbank ein Umschwenken signalisiert. Eine Reduktion der Wertschriftenkäufe noch in diesem Jahr ist realistisch.

In der Summe beurteilen wir die wirtschaftlichen Aussichten trotz erhöhter Pandemie-Risiken nach wie vor als gut. Die Lücke zum Vorkrisenniveau ist in mehreren Volkswirtschaften gross und es besteht weiteres Aufholpotenzial. Die Notenbanken in den Industrieländern bleiben expansiv und Fiskalprogramme unterstützen den Aufschwung weiterhin. 


Produktionslücke


Festverzinsliche Anlagen

Das gute konjunkturelle Umfeld sowie die stark angestiegenen Inflationsraten führen zu Aufwärtsdruck bei den Zinsen. In der Eurozone sind die Konsumentenpreise auf Jahressicht um satte drei Prozent gestiegen. Dies ist der höchste Wert seit zehn Jahren. Wir erachten diesen Anstieg als vorübergehend und erwarten, dass sich die Inflation mittelfristig unter dem Ziel der Zentralbank von zwei Prozent einpendelt, was weiterhin eine expansive Geldpolitik unterstützt. Für weiteren Aufwärtsdruck bei den Zinsen wird die Abkehr der amerikanischen Notenbank Fed von der ultra-expansiven Geldpolitik führen. Bis zum Jahresende dürften die Notenbanker über das Herunterfahren der Anleihenkäufe (Tapering) informieren.


Konsumentenpreise


Von den unterstützenden Notenbanken und den spendierfreudigen Staaten sehen wir weiterhin kräftige Unterstützung für die Kreditmärkte. Die Kreditaufschläge von Unternehmensanleihen notieren auf sehr tiefen Niveaus und beschränkten damit das Renditepotenzial. In Kombination mit mittlerweile hohen Zinsrisiken von Investment Grade Anleihen ist das Verlustrisiko bei einem Zinsanstieg angestiegen. Damit ist das Rendite-Risiko-Verhältnis von globalen Investment Grade Unternehmensanleihen sowie Hochzinsanleihen unattraktiv, weshalb wir diese untergewichten.


Aktien

Der S&P 500 hat sich seit seinem Tief im März 2020 verdoppelt. In der Vergangenheit haben Aktienmärkte nach einer Verdoppelung vielfach eine Pause eingelegt – die Zeit der schnellen, überdurchschnittlichen Kursgewinne wird vorbei sein. Das heisst aber nicht, dass der Markt nicht in einen säkularen Aufwärtstrend übergehen kann. Die Chancen für weiter steigende Kurse stehen insbesondere für den Schweizer Aktienmarkt gut. Aus relativer Sicht kommt dem eher defensiven Schweizer Markt zugute, dass zyklische Aktien zuletzt deutlich an Fahrt verloren haben.


Aktienmärkte


Auf Unternehmensebene waren in den letzten Wochen grossmehrheitlich positive Nachrichten zu lesen: Umsatz und Gewinn erreichten Rekordniveaus, die Marge konnte grösstenteils gehalten werden. Auch die Bewertungen (Kurs-Gewinn-Verhältnis) sind dank höherer Gewinne pro Aktie nicht mehr weiter angestiegen. Insbesondere im Vergleich zu Obligationen und Liquidität mit negativer (Real-)Verzinsung bleiben Aktien attraktiv.

Wir halten an der übergewichteten Aktienquote fest. Innerhalb der Aktien werden Titel aus der Schweiz und Small & Mid Caps sowohl übergewichtet, defensive Aktien («Minimum Volatility») untergewichtet. An europäischen Value-Aktien halten wir trotz der zuletzt schwachen Wertentwicklung aus Diversifikationsgründen fest.


Alternative Anlagen

Im 3. Quartal 2021 entwickelten sich die Realwerte, Schweizer Immobilienfonds (SWIIT) und Gold gegenteilig. Während die Immobilienfonds Zugewinne verzeichneten, tendierte der Goldpreis zur Schwäche.

Die stabilen Ausschüttungsrenditen auf Seiten der Schweizer Immobilienfonds liessen die Nachfrage nach der Anlageklasse stark ansteigen, was zu hohen Kursgewinnen und satten Aufpreisen führte (YTD +6.3% per 09.09.2021). Von fundamentaler Seite spricht aktuell einiges für Immobilien – so ist die Nettozuwanderung in der Schweiz weiter positiv und die Zinsen verharren im negativen Bereich.


Preisentwicklung Immobilien und Gold


Etwas anders sieht es beim Edelmetall Gold aus. Die sich erholende Konjunktur und Bestrebungen mit Impfstoffen haben die Nachfrage nach sicheren Häfen wie Gold zurückkommen lassen, zudem dürfte eine Abkehr von der expansiven Geldpolitik auf dem Edelmetall lasten (YTD -5.1% per 09.09.2021).

Wir bleiben bei Schweizer Immobilien neutral gewichtet investiert. Die Goldquote wurde im August um die Hälfte reduziert und wird damit untergewichtet umgesetzt. Wir setzen weiter auf die Diversifikationseigenschaften von Realwerten.





Gemeinsam wachsen.