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GKB Anlagepolitik für das 3. Quartal 2021

Wachstumshoffnungen, Inflationsängste und Notenbanksorgen.

Datum: 18.06.2021 
Autor: Adrian Schneider


​An den Finanzmärkten dominieren aktuell drei Themen: starkes Wachstum, steigende Inflation und die zukünftigen Aktionen der Notenbanken. Wir erwarten in den nächsten Quartalen einen starken wirtschaftlichen Aufschwung. Das Wachstum erhält derzeit durch die Wiederöffnung der Wirtschaft und die staatlichen Unterstützungsmassnahmen starke Impulse. Die Weltbank rechnet für das laufende Jahr neu mit einem Wachstum von 5.6 Prozent für die Weltwirtschaft.


Das starke Wachstum führt zu Produktionsengpässen und lässt die Preise steigen. Die Verbraucherpreise in den USA steigen im schnellsten Tempo seit 13 Jahren und wuchsen zuletzt um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wir gehen davon aus, dass die Engpässe über die kommenden Monate wieder abgearbeitet werden. Aufgrund des attraktiven Wachstums sowie der massiven Unterstützung der Notenbanken werden Aktien weiterhin verstärkt profitieren.


Performance 2. Quartal 2021: Aktienrisiken zahlen sich aus

Aufgrund der gestiegenen Zinsen haben sich Anleihen ohne Kreditprämie negativ entwickelt. Die Aktienmärkte wiederum legten im zweiten Quartal stark zu. Aktien aus Europa und der Schweiz entwickelten sich dabei deutlich besser als jene aus den USA.

Dies ist das Resultat der anhaltenden Rotation aus Wachstumsunternehmen in zyklische Unternehmen und sogenannte Value-Titel. Europäische Aktien stehen aktuell aufgrund des erwarteten Wachstumsschubs in der zweiten Jahreshälfte in der Gunst der Anleger.

Die Rohstoffpreise verteuerten sich im Zuge steigender Nachfrage ebenfalls deutlich. Bemerkenswert ist vor allem der starke Anstieg des Goldpreises im zweiten Quartal.


Performance



Positionierung fürs 3. Quartal 2021

Das aktuelle Umfeld spricht weiterhin für Aktien. Wir halten an der Übergewichtung der Aktienquote fest. Innerhalb der Aktienanlagen favorisieren wir Aktien von klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen. Neu positionieren wir uns stärker in Value-Aktien aus Europa. Die Übergewichtung der Schwellenländeraktien bauen wir hingegen ab. Die Obligationenquote halten wir in Erwartung leicht steigender Zinsen weiterhin untergewichtet. Alternative Anlagen halten wir neutral gewichtet.


Positionierung



Lagebeurteilung Konjunktur

Die wirtschaftliche Erholung von der Pandemie schreitet weiter voran. Es bestehen allerdings regionale Unterschiede. Insbesondere zwischen den Industrie- und den Schwellenländern existiert eine grosse Wachstumsdifferenz. Diese ist primär auf den Impffortschritt zurückzuführen.



Innerhalb der Industrieländer haben die USA im laufenden Jahr die Führungsrolle übernommen. Massive fiskalpolitische Massnahmen sowie eine erfolgreiche Impfkampagne sorgen für eine positive Wachstumsdynamik. Die US-Wirtschaft dürfte bereits im zweiten Quartal 2021 wieder das Vorkrisenniveau erreichen. Nach einem fulminanten Jahresstart wird sich die konjunkturelle Dynamik in den USA im zweiten Halbjahr jedoch verlangsamen.

In Europa wird sich die Lage im zweiten Halbjahr merklich verbessern. Die Impffortschritte sorgen für Zuversicht und ermöglichen eine wirtschaftliche Trendwende. Die Zeichen in Europa stehen auf Aufschwung.

Die Inflation ist jüngst stark angestiegen. Dieser Anstieg ist zum einen auf Basiseffekte und zum andern auf Lieferengpässe zurückzuführen. Zudem führt die hohe Sparquote zu einem Konsumboom.


Inflationskomponenten


Wir sind der Meinung, dass der Anstieg der Inflation temporärer Natur ist, weil die Mehrheit der preistreibenden Komponenten in absehbarer Zeit zurückgehen wird. Der Basiseffekt nimmt zudem über die Sommermonate ab und die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt wird sich entspannen.

Trotz hoher Arbeitslosigkeit beklagen einige Unternehmen eine Unterbeschäftigung. Viele Arbeitslose erhalten derzeit zusätzliches Arbeitslosengeld im Rahmen des Notfallprogramms. Dieses Programm läuft allerdings im September aus. Spätestens zu diesem Zeitpunkt werden sich wieder mehr Leute in den Arbeitsprozess integrieren. Dies wirkt einem Lohnanstieg und entsprechendem Preisdruck entgegen.

Die Notenbanken beteuern, die expansive Geldpolitik unverändert fortzusetzen. Wir nehmen die Notenbanken beim Wort und erachten momentan den Zeitpunkt für eine Änderung der Geldpolitik als zu früh. Diese ist derzeit darauf ausgerichtet, ein moderates Überschiessen der Inflation zuzulassen. Die Erholung der Konjunktur wird somit nicht aufs Spiel gesetzt.


Festverzinsliche Anlagen

Die Diskussionen um eine Reduktion der Anleihekäufe (Tapering) durch die amerikanische Zentralbank Fed werden im dritten Quartal zunehmen. Alleine dies wird zu Aufwärtsdruck bei US-Zinsen führen. In der Schweiz und der Eurozone wird sich die Inflation nach dem vorübergehenden Anstieg unter dem Zielwert einpendeln, was eine expansive Geldpolitik weiterhin unterstützt. Der Aufwärtsdruck der Zinsen ist hier kleiner als in den USA.


Konsumentenpreise


Von den unterstützenden Notenbanken und den spendierfreudigen Staaten sehen wir weiterhin kräftige Unterstützung für die Kreditmärkte. Die Kreditaufschläge von Unternehmensanleihen notieren auf sehr tiefen Niveaus und beschränken damit das Renditepotenzial. In Kombination mit mittlerweile hohen Zinsrisiken von Investment-Grade-Anleihen ist das Verlustrisiko bei einem Zinsanstieg gewachsen. Damit ist das Rendite-Risiko-Verhältnis von globalen Investment-Grade-Unternehmensanleihen unattraktiv, weshalb wir diese untergewichten.


Aktien

Nach dem Neustart befindet sich die globale Wirtschaft auf gutem Weg zurück auf ihren langfristigen Wachstumspfad. Die zuletzt rapportierten Geschäftszahlen der Unternehmen untermauern dies und haben durchwegs positive Signale ausgesendet: Sowohl die aktuellen als auch die erwarteten Gewinne tendieren nach oben.


Aktienmärkte


Das technische Bild zeigt eine hohe Marktbreite, intakte mittel- und langfristige Kurstrends sowie ein hohes Momentum im Vergleich zu Anleihen. Der Risikoappetit der Anlegerinnen und Anleger ist unverändert hoch und die Volatilität befindet sich weiterhin auf tiefem Niveau.

Wir halten an der leicht übergewichteten Aktienquote fest. Innerhalb der Aktien werden klein- und mittelkapitalisierte Unternehmen sowohl in der Schweiz als auch global übergewichtet, defensive Aktien (Minimum Volatility) untergewichtet. Eine interessante Anlageopportunität sehen wir in Europa. Europäische Value-Aktien werden im zweiten Halbjahr überproportional von der wirtschaftlichen Erholung Europas profitieren.


Alternative Anlagen

Realwerte wie Immobilien oder Gold bleiben bei den Anlegenden gefragt. Im aktuellen Umfeld konjunktureller Erholung und steigender Inflation erfreuen sich Realwerte grosser Beliebtheit.

Der sichere Hafen Gold verzeichnete in den letzten Wochen starke Kursgewinne und notiert seit Jahresbeginn wieder im positiven Bereich. Zu verdanken ist die Entwicklung einerseits den weiter stark negativen US-Realzinsen, anderseits erhält Gold Unterstützung von der Nachfrageseite – sei dies von Gold-ETF-Zuflüssen oder von physischer Seite aus den asiatischen Märkten.

Auch die Nachfrage nach Schweizer Immobilien ist ununterbrochen hoch. Trotz sehr hoher Aktivität am Kapitalmarkt konnte mit Schweizer Immobilienfonds seit Jahresanfang Geld verdient werden.


Immobilienpreisentwicklung


Dies ist der anhaltend hohen Nachfrage zu verdanken. Das grösste Risiko für Preisrückschläge kommt indessen von der Zinsseite – wobei wir aktuell nicht von nachhaltig steigenden Zinsen ausgehen.

Wir bleiben sowohl beim Gold als auch bei Schweizer Immobilien neutral gewichtet investiert und setzen damit weiter auf die Diversifikationseigenschaften von Realwerten.





Gemeinsam wachsen.