GKB Postplatz

GKB Anlagepolitik für das 2. Quartal 2022

Geopolitik, Inflation und Zentralbanken im Fokus der Finanzmärkte.

Datum: 23.03.2022 
Autor: Adrian Schneider

Die Intensivierung des Russland-Ukraine-Konflikts sowie die Furcht vor massiven wirtschaftlichen Folgen stellen eine grosse Belastung für die Finanzmärkte dar. Die Angst vor einer nuklearen Katastrophe, der mögliche Importstopp für Rohöl aus Russland und die damit verbundenen Rezessions- und Inflationsängste sorgen für Nervosität bei Anlegenden. Wie positionieren wir uns in diesem Umfeld?

Der Preis für Rohöl ist massiv gestiegen, und die Aktienmärkte bewegen sich aktuell zwischen einem Hoffen auf Entspannung und der Sorge um eine weitere Eskalation.

Die Unsicherheit an den Finanzmärkten wird kurzfristig hoch bleiben. Wir halten an der neutralen Aktienpositionierung fest – die Aktienquote haben wir jüngst defensiver ausgerichtet und die Goldquote erhöht.

Weltkarte_Themen

 

Die beschlossenen Sanktionen treffen die russische Wirtschaft stark. Eine tiefe Rezession in Russland im laufenden Jahr ist unvermeidlich. Global sieht die Situation anders aus. In diesem unsicheren Umfeld denken wir in Szenarien.

In unserem Basisszenario dauert der Krieg an, begrenzt sich geografisch aber auf die Ukraine. Eine globale Rezession ist in diesem Szenario im laufenden Jahr unwahrscheinlich. Unsicherheit und Volatilität dominieren weiterhin die Finanzmärkte, und kurzfristige Prognosen bleiben aufgrund der hohen Dynamik schwierig. Der Gegenwind bei den Aktien hält kurzfristig an, mittelfristig rücken jedoch wieder vermehrt die echten Wirtschaftsdaten wie Inflation, Wachstum und die zukünftige Geldpolitik in den Fokus der Marktteilnehmer. Die Notenbanken setzen den geldpolitischen Normalisierungsprozess fort. Es bleibt ein Umfeld, welches Aktienanlagen bevorzugt.

Als Risikoszenario erachten wir die Eskalation des Konfliktes durch eine verstärkte Unterstützung Russlands durch China oder eine Involvierung der Nato. Eine solche «Eskalation der Eskalation» würde zu einer nochmals deutlichen Zunahme der Volatilität an den Finanzmärkten führen. Starke Verwerfungen an den Aktienmärkten wären zu erwarten, wobei Europa – aufgrund seiner Handelsverflechtung – stärker unter Druck käme als die USA. Ein weiterer Anstieg der Rohstoffpreise (v.a. bei Rohöl und Erdgas) wäre unvermeidbar und würde die Inflation nach oben treiben.

Das Best-Case-Szenario einer längeren Waffenruhe und damit einer Beruhigung der geopolitischen Lage und der Finanzmärkte ist derzeit nicht in Sicht.

Der direkte Einfluss des Konflikts auf das Weltwirtschaftswachstum wird sich in Grenzen halten, da Russland und die Ukraine nur einen vergleichsweise geringen Anteil an der globalen Wertschöpfung haben. Die indirekten Auswirkungen auf die globale Wirtschaftsentwicklung (Glokalisierungstrends, Inflation etc.) sind schwieriger zu beziffern. Das bestehende, globale Wirtschaftsmodell ist mit Blick auf entstehende Deglobalisierungs- und Energiefragen durch den aktuellen Konflikt verstärkt herausgefordert.


BIP_Russland_Ukraine

 

GKB Einschätzung

Mit der Intensivierung des Kriegs hat sich die Situation auf der Zinsseite verschärft. Auf der einen Seite suchen die Anleger wegen der geopolitischen Unsicherheiten Schutz in Staatsanleihen, was zu tieferen Renditen führt. Auf der anderen Seite bewirken höhere Inflationserwartungen höhere Nominalzinsen. Die Volatilität an den Zinsmärkten hat dadurch in den letzten Wochen deutlich zugenommen.

In Deutschland stieg die Inflationserwartung stark an, während die Realzinsen auf Tiefststände fielen.

 

Realzinsen_und_Inflationserwartungen

 

In einem solchen Umfeld gelingt es Staatsanleihen nicht, für die erwünschte «Safe-Haven»-Funktion und damit Diversifikation im Portfolio zu sorgen.

Schwellenländeranleihen – insbesondere aus direkt vom Krieg betroffenen Ländern – haben in den letzten Wochen massiv an Wert verloren. Vor allem Anleihen aus osteuropäischen Ländern büssten stark an Wert ein. Die Unsicherheit in diesem Segment ist weiterhin hoch und vom weiteren Kriegsverlauf abhängig. Bei russischen Anleihen ist nach aktueller Bewertung beinahe ein Totalverlust eingepreist. Die Kreditaufschläge europäischer Unternehmensanleihen haben sich deutlich stärker ausgeweitet als diejenigen von US-Unternehmensanleihen. Die Unternehmen sind gefestigt durch die starke konjunkturelle Erholung im vergangenen Jahr und weisen solide Bilanzen aus, sodass Zahlungsausfälle aktuell unwahrscheinlich sind.

Die Notenbanken haben kommuniziert, dass sie am Zinserhöhungspfad festhalten werden. Wir gehen davon aus, dass die US-Notenbank Fed dabei rascher voranschreiten wird als die Europäische Zentralbank. Deshalb halten wir an der Untergewichtung der Anleihen fest.

 

 

 

Die Aktienmärkte bleiben von Volatilität und Risikoaversion geprägt. Der Krieg belastet insbesondere europäische Aktien stark. Kurzfristig haben die Aktienmärkte überreagiert und selektiv bieten sich Einstiegschancen. Die Bewertungen sind jedoch immer noch vergleichsweise hoch und weitere Korrekturen nicht auszuschliessen. In der Vergangenheit wirkten die Notenbanken als «Retter in der Not» und damit als Stütze für die Aktienmärkte. Dieses Auffangnetz steht diesmal aufgrund der hohen Inflationsraten nicht zur Verfügung. Es wird sich zeigen, inwiefern fiskalpolitische Programme den Markt stützen werden.

Die Belastungsfaktoren für die Aktienmärkte bleiben bestehen: Die geopolitischen Entwicklungen sind nach wie vor im Fokus der Marktteilnehmer. Daneben belasten hohe Energiepreise. Zwar haben die Unternehmen sehr gute Ergebnisse präsentiert, die globalen Gewinnrevisionen kippen jedoch ins Negative.


Aktienmakrtentwicklung



Das Makroumfeld bleibt – trotz eingetrübter Wirtschaftsaussichten – für Aktien attraktiver als für Nominalwerte, weshalb wir an der neutralen Gewichtung festhalten.

Nach einem harzigen Start ins Jahr haben sich Immobilienfonds erholt, Immobilienaktien verzeichneten eine erfreuliche Wertentwicklung. Die Dividendenrendite rückt stärker in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger, wobei die relative Attraktivität abgenommen hat. Die Abhängigkeit von der Zinsentwicklung bleibt zentral.

Gold wurde seiner Funktion als sicherer Hafen in den letzten Wochen gerecht. Investoren sind nach wie vor stark an Gold interessiert, wobei Unsicherheiten in Bezug auf die Inflation und die Geopolitik die treibenden Kräfte dafür sind. Unsere Positionierung bei Alternativen Anlagen ist neutral.


 

Aktuelle Positionierung

Im Januar und Februar haben wir die Aktienquote defensiver ausgestaltet, indem Aktien Small Caps leicht reduziert und gleichzeitig Aktien Minimum Volatility aufgebaut wurden. Innerhalb der Alternativen Anlagen wurde die Goldquote auf die neutrale Gewichtung im Januar erhöht.

Wir halten an der neutralen Positionierung der Aktienquote und der Alternativen Anlagen fest. Bei den Anleihen setzen wir im Vergleich zur strategischen Allokation weiterhin eine Untergewichtung um.

 

Positionierung_Q2_2022

 

 

Gemeinsam wachsen.