GKB Postplatz

GKB Anlagepolitik für das 1. Quartal 2022

Virusvariante und US-Notenbank verunsichern Finanzmärkte.

Datum: 08.12.2021 
Autor: Adrian Schneider

Die US-Inflation ist im Oktober auf den höchsten Stand seit mehr als 30 Jahren gestiegen. Das Mantra der Notenbanken von einem vorübergehenden Inflationsschub bekommt Kratzer. Wird die Inflation jetzt also zum Problem? Wir denken nicht, erwarten aber auch in den nächsten Quartalen einen erhöhten Preisdruck. Die pandemiebedingten negativen Effekte – wie Lieferengpässe oder die Situation auf dem Arbeitsmarkt – werden sich abschwächen. 

Längerfristig dominieren die preissenkenden Kräfte. Die Notenbanken werden aber den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik im nächsten Jahr vorantreiben. Angst vor zu stark steigenden Zinsen ist aber übertrieben. Ende November hat die Meldung über die neue Corona Mutation Omikron die Märkte verschreckt. Die möglichen Auswirkungen aufs Wirtschaftswachstum durch Omikron sind immens. Damit haben sich die Risiken für die Finanzmärkte merklich erhöht.


Performance Oktober/November 2021: Aktienrisiken zahlen sich mehrheitlich aus

Die Nachrichten rund um die neue Virusvariante Omikron haben die Märkte aufgeschrekt. Als Folge davon waren vor allem Staatsanleihen als sichere Häfen stark gesucht. Dies schlägt sich auch in der positiven Entwicklung der Eidgenossenanleihen nieder.

Mit den Nachrichten rund um Omikron haben die Aktienmärkte seit Ende November etwas korrigiert. Unter dem Strich haben sich Aktien aus den USA oder der Schweiz im laufenden Quartal aber positiv entwickelt. Schwellenländeraktien, aber auch Aktien aus Europa oder Small Caps hinken zuletzt aber etwas hinterher.

Die grösste Korrektur erlebten aber die Rohstoffpreise, getrieben vor allem durch eine starke Korrektur der Ölpreise.

In diesem Umfeld erweist sich der Schweizer Franken einmal mehr als sicherer Hafen und kann gegenüber den meisten Währungen stark zulegen. 




Performance Q4


Positionierung für das 1. Quartal 2022

Das konjunkturelle Umfeld bleibt in der Summe positiv. Das Wachstum entwickelt sich auch im nächsten Jahr überdurchschnittlich. Dies wird die Unternehmensgewinne unterstützen. Darum bevorzugen wir weiterhin Aktien gegenüber Obligationen. Aufgrund der gestiegenen Risiken mit der neuen Corona Mutation reduzieren wir die Aktienquote aber auf eine Neutralgewichtung. 

Innerhalb der Aktienanlagen favorisieren wir Aktien von klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen. Schweizer Aktien überzeugen vor allem durch den defensiven Charakter und die sehr gute Qualität der Unternehmen.

Die Obligationenquote halten wir in Erwartung leicht steigender Zinsen weiterhin untergewichtet. Innerhalb der Alternativen Anlagen bleiben wir untergewichtet in Gold.


Positionierung


Lagebeurteilung Konjunktur

Die Wachstumsdynamik hat in den letzten Wochen auf hohem Niveau abgenommen. Die wirtschaftliche Entwicklung wird kurzfristig weiter von den Produktions- und Lieferengpässen dominiert. Vor allem Unternehmen aus dem Industriesektor haben – auch aufgrund der vollen Auftragsbücher – Mühe, die Produktion zu erhöhen.

Das Auftauchen der neuen Coronamutation Omikron sorgt nun für zusätzliche Unsicherheiten in Bezug auf das Wirtschaftswachstum und den Inflationsausblick. Noch ist es allerdings zu früh, um die Gefährlichkeit der neuen Variante zu beurteilen. Es besteht aber die Möglichkeit, dass Omikron zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität führen kann.

In der Folge sind die Wachstumsaussichten gedämpft. Die Wachstumsprognosen für das laufende Jahr sowie für 2022 bleiben, trotz Unwägbarkeiten, weiterhin überdurchschnittlich.


Wachstumsraten


Inflation erreicht den Höhepunkt

Die Inflationsraten sind global stark gestiegen und verharren auf hohen Levels. Die wichtigsten Inflationstreiber sind die steigenden Energiepreise sowie die Lieferengpässe. Prognosen zeigen derzeit, dass die Inflation in den meisten Ländern gegen Ende 2021 den Höhepunkt erreichen wird.


Inflation


Für das kommende Jahr gehen wir von einer graduellen Normalisierung der Lieferketten aus. Dies wird den Preisdruck reduzieren. Eine weitere Inflationsgefahr geht von einer möglichen Lohn-Preis-Spirale aus. Eine solche zeichnet sich derzeit aber nicht ab. Aktuell haben in den USA jedoch viele Unternehmen Mühe, ihre offenen Stellen zu besetzen.

Ein Anstieg bei den Neuinfektionen könnte die Bereitschaft der Menschen an den Arbeitsmarkt zurückzukehren verringern. Die Fortschritte am Arbeitsmarkt verlangsamen. Eine solche Entwicklung könnte die Inflation weiter befeuern und Druck auf die Notenbanken ausüben.


Notenbanken starten den Normalisierungsprozess

Der Zinserhöhungszyklus in den Schwellenländern ist bereits weit fortgeschritten. Hinzu kommen nun Zinserhöhungen in einzelnen Industrieländern. Eine rasche Erhöhung der Zinsen in den Industrieländern erwarten wir indes nicht. Die Notenbanken werden den Inflationsanstieg im Auge behalten und im Normalisierungsprozess geduldig bleiben. In der Schweiz, der Eurozone sowie in Japan sind keine Zinserhöhungen in Sicht.

In der Summe beurteilen wir die wirtschaftlichen Aussichten, trotz Virusmutation und erhöhter Inflation, als gut. Wir gehen auch im kommenden Jahr von einem überdurchschnittlichen Wachstum aus.


Festverzinsliche Anlagen

Die hohen Inflationsraten in der Eurozone und den USA bestimmen zurzeit ebenfalls die Richtung an den Obligationenmärkten. In beiden Regionen notiert die Teuerung auf Mehrjahreshöchstständen.


Konsumentenpreise


Derweil hat die US-Notenbank mit der Normalisierung der Geldpolitik begonnen und wird voraussichtlich das laufende Anleihenaufkaufprogramm im Juni 2022 beenden. Damit rückt der Fokus auf die erste Leitzinserhöhung. Marktteilnehmer erwarten bereits im Sommer des nächsten Jahres den ersten Zinsschritt der US-Notenbank. Die hohen Inflationsraten, die weniger expansive Geldpolitik sowie die weiterhin gute wirtschaftliche Verfassung sorgen für anhaltenden Aufwärtsdruck bei den Zinsen.

Mit der kräftigen wirtschaftlichen Erholung weisen die Unternehmen heute starke Bilanzen auf, was die geringen Kreditaufschläge von Unternehmensanleihen rechtfertigt. Tiefe Kreditprämien beschränkten jedoch das Renditepotenzial. In Kombination mit den mittlerweile hohen Zinsänderungsrisiken von Investment-Grade-Anleihen ist das Verlustrisiko gestiegen. Damit ist das Rendite-Risiko-Verhältnis von globalen Investment-Grade-Anleihen unattraktiv, weshalb wir diese untergewichten.


Aktien

Die Nachrichtenlage hat sich in den letzten Wochen verschlechtert. Nichtsdestotrotz entwickelten sich die Aktienmärkte bis Mitte November positiv und vielerorts wurden gar neue Allzeithochs erreicht.

Starke Unterstützung erhielten die Aktienmärkte von der zu Ende gegangenen Berichtssaison. Über 80 Prozent der US-Unternehmen haben die Gewinnerwartungen übertroffen. Allerdings nimmt die Dynamik rund um den Globus ab. Da die Weltwirtschaft auch im nächsten Jahr wachsen dürfte, sollten die Unternehmensgewinne weiter ansteigen und die Aktienkurse stützen.

Gegenwind kommt von der US-Notenbank (Fed), die angesichts der hohen Inflation ihre Geldpolitik deutlich verschärfen wird. Das wirtschaftliche Umfeld mit negativen Realzinsen spricht aber weiterhin für Aktien.


Aktienmärkte

Die gestiegenen Unsicherheiten und die weniger expansive Geldpolitik der Fed sprechen für eine neutrale Positionierung. Innerhalb der Aktien bleiben Schweizer und globale Small und Mid Caps übergewichtet, defensive Aktien («Minimum Volatility») untergewichtet. Aufgrund der neusten Entwicklungen in Europa haben wir die Position in europäischen Value-Aktien verkauft.


Alternative Anlagen

Realwerte verzeichneten nach einem ruhigen Sommer in den letzten Wochen vermehrt Ausschläge gegen oben sowie auch gegen unten. 

Die Schweizer Immobilienfonds kamen aufgrund von Kapitalereignissen unter kurzzeitigen Verkaufsdruck und verzeichneten zwischenzeitlich einen über vierprozentigen Einbruch. Dieser konnte aber per Mitte November bereits wieder gutgemacht werden. Die Nachfrage nach der Anlageklasse mit stabilen Ausschüttungen bleibt hoch, wobei defensivere Sektoren weiterhin bevorzugt werden.

Nachdem der Goldpreis im November aus seinem Seitwärtsband ausbrechen konnte, führte die Wiederwahl von Jerome Powell (US-Notenbankenpräsident) zu einem Kurseinbruch. Steigende US-Realzinsen werden kurzfristig weiter Druck auf den Goldpreis ausüben. Von Nachfrageseite sieht man auf Gold-ETF-Seite allmählich eine Bodenbildung der Verkäufe. Aktuell kommt von Investorenseite aber noch keine Kursunterstützung. Sollte die Inflation jedoch länger als erwartet hoch bleiben, dürfte das Gold als sicherer Hafen und Wertaufbewahrungsmittel gesucht sein.

Wir bleiben bei Schweizer Immobilien neutral gewichtet investiert – das Gold halten wir untergewichtet.


Realwerte




Gemeinsam wachsen.