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GKB Anlage-Politik - November 2020

Erholungsdynamik schwächt sich ab – Volatilität an den Aktienmärkten bleibt erhöht

Datum: 22.10.2020 
Autor: Adrian Schneider

Die Brexit-Verhandlungen, die zweite Corona-Welle sowie die US-Wahlen dominieren die Nachrichtenlage an den Finanzmärkten und führen zu einigen Unsicherheiten. Die Volatilität an den Finanzmärkten bleibt auf erhöhtem Niveau, ist jedoch einiges tiefer als im Frühling. Die ultraexpansive Geldpolitik, die Aussicht auf ein erneutes umfangreiches Fiskalpaket der USA sowie die Hoffnung auf einen Covid-Impfstoff stützen die Aktienmärkte und treiben die Kursfantasien weiter an. Wir halten deshalb an unserer Positionierung fest.

Nach dem dramatischen Einbruch zu Beginn des Jahres schreitet die wirtschaftliche Erholung trotz des Anstiegs der Corona-Infektionen weiter voran. So hellte sich beispielsweise die Konsumentenstimmung in den USA weiter auf, und auch die US-Detailhandelsumsätze entwickelten sich erfreulich. Die jüngsten Umfragen bei den Einkaufsmanager zeigen auch für Europa eine weitere Erholung des produzierenden Gewerbes, während sich die Dynamik im Dienstleistungssektor abschwächt. In China sind sich die Konjunkturdaten unverändert robust. So verzeichnet das Bruttoinlandprodukt in China bereits nach dem dritten Quartal wieder ein Wachstum gegenüber Jahresbeginn und konnte somit den Einbruch wettmachen. In der Schweiz schreitet die konjunkturelle Erholung ebenfalls weiter voran. Auch hier deuten vorlaufende Indikatoren auf eine weitere Erholung hin und es bestehen gute Chancen, dass der Wirtschaftseinbruch weniger stark ausfallen wird als ursprünglich befürchtet. So revidierte der Bund seine Konjunkturprognose und rechnet aktuell noch mit einem Rückgang des BIP um 3.8% für das Jahr 2020. Dies wäre jedoch immer noch der stärkste Rückgang seit dem Jahr 1975.

 

PMI Weltkarte

 

Die neuerlichen gesundheitspolitischen Massnahmen aufgrund der zweiten Pandemiewelle gefährden die Erholung. Insbesondere in Europa steigen die Neuinfektionen stark an und es werden bereits vereinzelt regionale Massnahmen getroffen. Es ist davon auszugehen, dass in den nächsten Wochen auch die Neuinfektionen in den USA weiter steigen werden. Sollten nebst den Infektionszahlen zudem die Sterblichkeits- sowie die Hospitalisierungsraten zunehmen, rechnen wir mit weiteren gesundheitspolitischen Massnahmen.

Das Rennen um das US-Präsidentenamt ist nach wie vor offen. Den untenstehenden Umfragewerten zufolge zeichnet sich bei den US-Wahlen immer stärker eine «blaue Welle» ab. In diesem Szenario würde der demokratische Kandidat Joe Biden die Präsidentschaftswahl gewinnen. Zudem würden die Demokraten die Mehrheit im Senat erobern und gleichzeitig ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behalten. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass Umfragewerte mit Vorsicht zu geniessen sind. Ein klarer Sieg der Demokraten würde ein rasches und umfangreiches Konjunkturpaket wahrscheinlicher machen. Sollte nach der Wahlnacht vom 3. November nicht klar sein, wer künftig die USA regieren wird, gehen wir von chaotischen Zuständen und temporären negativen Effekten für risikoreiche Anlagen aus.

 

Umfragewerte

 

Allgemein kann festgehalten werden, dass die wirtschaftliche Erholung rund um den Globus in Takt ist, aber etwas an Dynamik verliert. Unser Basisszenario geht weiterhin von einer langsamen, aber stetigen Erholung der globalen Wirtschaft aus. Die konjunkturelle Erholung wird von den steigenden Neuinfektionen belastet, dürfte aber nicht zum Erliegen kommen. Neue fiskalpolitische Massnahmen sowie medizinische Fortschritte in der Entwicklung von Impfstoffen im Umfeld einer ultralockeren Geldpolitik unterstützen die konjunkturelle Erholung und damit die risikoreichen Anlagen. Die US-Wahlen sehen wir bei einer allfälligen Pattsituation als Risiko für die Märkte, sollten sich aber mittelfristig nicht negativ auf die Entwicklung von risikoreichen Anlagen auswirken.

 

Währungen


USA USD/CHF:
Die lockere Geldpolitik des FED lastet auf dem USD und hat die Zinsdifferenz deutlich eingeengt. Das aktuelle Aufbäumen des US-Dollars dürfte nur temporärer Natur sein. Mittelfristig ist mit einer Abschwächung des USD zu rechnen. Das Tempo der Abwertung dürfte allmählich aber nachlassen, zumal sich die Überbewertung des USD gegenüber dem Schweizer Franken abgebaut hat.

 

 

EU EUR/CHF:
Im Zuge der Normalisierung an den internationalen Finanzmärkten nahm die Nachfrage nach Schweizer Franken zuletzt etwas ab. Die Lage bleibt aber fragil. Der Schweizer Franken dürfte auch in den kommenden Monaten in der Gunst der Anleger bleiben und deshalb das Aufwärtspotenzial des Euro limitieren.

 

 

Festverzinsliche Anlagen

Die Volatilität an den Obligationenmärkten ist weiterhin sehr tief. Die Renditen von Staatsanleihen bewegen sich seit Monaten am unteren Rand eines engen Seitwärtsbandes. Die Renditen deutscher Bundesanleihen gaben im Verlauf der letzten Woche weiter nach und befinden sich aktuell in den meisten Laufzeitbändern unter denjenigen von Schweizer Staatsanleihen.

Seit dem Krisenhöhepunkt im März konnte eine Einengung der Kreditaufschläge beobachtet werden, die im September kurzzeitig unterbrochen wurde. Einzig die Kreditaufschläge im Energiesektor verharren auf höherem Niveau. Sowohl die niedrigen Zinsen als auch die Einengung der Kreditaufschläge sind der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken zu verdanken, die mit allen Mitteln die Zinsen und damit die Finanzierungskosten für Unternehmen tief halten wollen, um die Wirtschaft zu stimulieren und die Inflation anzutreiben. 
 

   Inflation

 

Die Inflation in der Eurozone ist im September jedoch erneut gesunken, und die US-Notenbank toleriert künftig sogar ein Überschiessen der Inflation. Daher kann nicht ausgeschlossen werden, dass noch in diesem Jahr neue geldpolitische Massnahmen folgen werden. In diesem Umfeld halten wir an der neutralen Positionierung der Duration und unserem Übergewicht von Unternehmensanleihen fest.

 

Aktien

Die Aktienmärkte halten sich trotz steigender Infektionszahlen beachtlich. In den USA liegt die Hoffnung auf einem milliardenschweren Fiskalpaket zur Stützung des Privatkonsums. Allerdings dürfte sich der politische Entscheid weiter verzögern – wahrscheinlich sogar bis nach den US-Präsidentschaftswahlen.

 

 

Aktienmarktentwicklung

 

Ein entscheidender Faktor für die weitere Entwicklung der Aktienmärkte sind die Unternehmenszahlen im Rahmen der Berichtssaison. In den USA ist die Berichtssaison zum dritten Quartal angelaufen. Die bislang veröffentlichten Unternehmensresultate fallen zu einem grossen Teil besser aus als erwartet, was die Märkte unterstützt. Das unsichere Umfeld im Vorfeld der US-Präsidentschaftswahlen sowie die Unsicherheit rund um die Covid-Neuinfektionen limitieren jedoch starke Aufwärtsbewegungen und halten die Volatilität auf erhöhtem Niveau. Ein klares Wahlresultat bei den US-Wahlen oder auch Neuigkeiten rund um einen Corona-Impfstoff würden die Unsicherheiten beseitigen und die Aktienmärkte positiv beeinflussen. Die aktuelle Lage spricht jedoch für eine risikoneutrale Gewichtung der Aktienquote.

 

Immobilien und Gold

Nachdem der Goldpreis in der zweiten Septemberhälfte gesunken ist, notiert der Preis aktuell wieder über USD 1’900 pro Unze. Mit zunehmenden Unsicherheiten rund um das Corona-Virus und die US-Präsidentschaftswahlen wird Gold weiterhin gesucht bleiben, auch wenn angesichts der tiefen Nachfrage in Asien ein wesentlicher Performancetreiber fehlt. Wir halten an unserer Übergewichtung fest.

Auf Seiten der Immobilien sind weiterhin Wohnliegenschaften gesucht. Der neuerliche Anstieg der Infektionszahlen dürfte insbesondere das Gastgewerbe weiter stark belasten. Kursavancen bei Immobilien dürften deshalb begrenzt sein.

 

Positionierung der GKB Anlagestrategie

Die konjunkturelle Erholung hat sich zwar zuletzt etwas abgeschwächt, schreitet jedoch weiterhin voran. Die ansteigenden Corona-Infektionen stellen ein latentes Risiko für die Erholung rund um den Globus dar, zumal regionale Rückschläge im Zuge gesundheitspolitischer Massnahmen nicht auszuschliessen sind. Wir gehen jedoch weiterhin davon aus, dass die Zentralbanken noch länger an ihrer ultraexpansiven Geldpolitik festhalten und diese teilweise sogar ausbauen werden. In Kombination mit der Aussicht auf weitere fiskalpolitische Unterstützungen in den USA oder in weiteren Regionen wie zum Beispiel China und Europa sehen wir gute Voraussetzungen für risikoreiche Anlagen. Im aktuellen Tiefzinsumfeld bedeutet das, dass wir an der Übergewichtung von Kreditrisiken zulasten von Staatsanleihen und an unserer neutralen Aktienpositionierung festhalten. Aufgrund der latenten geopolitischen Risiken und der Unsicherheiten rund um die US-Wahlen halten wir zudem ein Übergewicht in Gold als Absicherung und eine erhöhte Position an Liquidität, um künftige Opportunitäten wahrnehmen zu können.

 

Positionierung 

 

 

 

 

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