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GKB Anlage-Politik - September 2020

Konjunkturerholung schreitet fort - Abwärtskräfte bleiben bestehen

Datum: 26.08.2020 
Autor: Daniel Lüchinger

Monatliche Lagebeurteilung der Konjunktur und Finanzmärkte. Erfahren Sie mehr über die GKB Anlagestrategie im aktuellen Anlageumfeld.

 

Daniel Lüchinger

 

Daniel Lüchinger, Leiter Research und Anlagetechnik

 

Die globale Konjunktur erholt sich, trotz der hohen Anzahl an Neuinfektionen, weiter. In den USA erhöhten sich die Detailhandelsumsätze sowie die Industrieproduktion gegenüber dem Vormonat deutlich. Am Arbeitsmarkt geht die Erholung ebenfalls weiter. In Europa konnten die Industrieunternehmen etwas mehr als 60% der pandemiebedingten Produktionseinbussen wieder aufholen. Für eine Überraschung sorgte der Anstieg der US-Inflation. Kurzfristig dürften die Inflationsrisiken aufgrund der Produktionslücke allerdings überschaubar bleiben. Eine latente Belastung bleiben auf der anderen Seite die Sorgen über die global anhaltend hohen Corona-Neuinfektionen, die nach wie vor ein schwer kalkulierbares Risiko für die wirtschaftliche Erholung darstellen.

 

PMI Weltkarte

 

Die aktuelle Konjunkturerholung verläuft insgesamt kräftiger als erwartet, insbesondere konsumseitig ist ein deutlicher Nachholeffekt zu sehen. Wir gehen deshalb unverändert von einer weiteren Erholung im 2. Halbjahr aus. Der Anstieg an Neuinfektionen in mehreren Ländern bremst die Erholung in den kommenden Monaten allerdings. Obwohl Lockerungen teilweise gestoppt wurden, zeigen die Mobilitätsdaten tendenziell aufwärts, jedoch mit einer schwächeren Dynamik.

  

Währungen

USA USD/CHF:
Die Wirtschaftsaussichten in den USA haben sich durch das zögerliche Pandemie-Management der US-Regierung verschlechtert. Wir rechnen deshalb weiterhin mit einer schwächeren US-Valuta.

 

 

EU EUR/CHF:
Der Schweizer Franken dürfte auch in den kommenden Monaten in der Gunst der Anleger bleiben und der EUR/CHF deshalb auf gedrückten Niveaus verharren.

 

 

Festverzinsliche Anlagen

Die Inflation ist in der Coronakrise in sämtlichen Ländern eingebrochen, so auch in den USA. Die jüngsten Inflationszahlen lassen jedoch auf eine schnelle Erholung hoffen, denn diese übertrafen die Erwartungen deutlich. Das Ziel von zwei Prozent liegt noch in weiter Ferne - so ist dies für die expansive Geldpolitik keine Gefahr. Auch die von den Marktteilnehmern erwartete Inflation (Breakeven Rate) steigt ungebremst weiter an, währen die nominellen Zinsen auf tiefem Niveau verharren.

Das Kreditsegment hat sich weiter positiv entwickelt, die Kreditaufschläge von Investementgrade- sowie High-Yield Anleihen haben sich eingeengt. Obwohl der Blick auf die Unternehmensbilanzen verrät, dass die Schluldnerqualität in den letzten Quartalen gesunken ist, profitieren die Unternehmen von der staatlichen Unterstützung und der expansiven Geldpolitik der Zentralbanken. In den USA fielen die Finanzierungskosten auf ein Allzeittiefst, was fürs Kreditsegement positiv zu werten ist.

Unternehmensanleihen 

Die Zentralbanken halten die Zinsen tief, um die Wirtschaft zu stützen. Wir halten an der neutralen Positionierung der Duration fest. Die US Inflation steigt an, ist jedoch deutlich unter dem Zielwert der Notenbank. Unternehmensanleihen profitieren von tiefen Finanzierungskosten. Wir halten am Kredit-Übergewicht fest.

 

Aktien

Der globale Aktienmarkt hat seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und bewegt sich nun wieder nahe an seinem Allzeithöchststand. Dafür verantwortlich sind in erster Linie die US Mega Caps (Apple, Microsoft, Amazon, Facebook etc.). Unterstützung erhielt der Markt auch von der Berichtssaison: In den USA haben 81% der Firmen die Erwartungen der Analysten übertroffen. Bei den Technologiewerten waren es sogar 90%. Auch kleinere Unternehmen konnten zuletzt – gestützt von besser als erwarteten Fundamentaldaten – an Wert zulegen. Auf Sektorenebene sind Gesundheitswerte seit Ende Mai weniger gefragt. Zyklische Sektoren legten in den letzten Wochen stärker zu. Auf Stilebene dominieren weiterhin Wachstumswerte, Qualität und Momentum entwickeln sich seitwärts bis leicht schwächer. Die Volatilität ist rückläufig.

 

Aktienmarktentwicklung

 

Das Kursmomentum der Aktienmärkte ist anhaltend hoch. Positive Fundamentaldaten und die besser als erwartete Berichtssaison wirken unterstützend. Vor allem in den USA sind die Bewertungen auf sehr hohem Niveau, damit steigt die Anfälligkeit für Rückschläge. Aufgrund des Tiefzinsumfeldes und der damit zusammenhängenden Risikoprämie gegenüber Obligationen bleiben Aktien attraktiv.

 

Immobilien und Gold

Realwerte profitieren weiterhin von den vorherrschenden Unsicherheiten an den Finanzmärkten. Das bereits sehr gut gelaufene Gold konnte die Gewinne weiter ausbauen, wobei die Marke von USD 2‘000 kurzzeitig überschritten werden konnte. Aktuell notiert der Preis leicht darunter – die Zeichen stehen für Gold jedoch weiterhin gut.

Der Immobilienmarkt Schweiz erholt sich allmählich von der Schockstarre im März und verzeichnete ebenfalls Zugewinne. Wichtig für die weitere Erholung werden hier Zweitrundeneffekte wie Veränderungen am Arbeitsmarkt und ein daraus resultierender Wandel sein.

 

Positionierung der GKB Anlagestrategie

Die Konjunkturerholung verläuft kräftiger als erwartet. Der Anstieg der Neuinfektionen in verschiedenen Ländern dürfte die Erholung in den nächsten Monaten zwar bremsen, die Erholung im zweiten Halbjahr 2020 ist allerdings nicht in Frage gestellt.

Durch den besseren Konjunkturausblick sind auch die Inflationserwartungen gestiegen. Diese bewegen sich allerdings weiter unterhalb des Notenbankenziels von 2% und gefährden dadurch die expansive Geldpolitik noch nicht.

Die Aktienmärkte zeigen sich weiter äusserst widerstandsfähig und setzen ihren Aufwährtstrend fort. Dies spiegelt sich auch in der Systematik wider. Nichtsdestotrotz bestehen mit der Covid-19-Ansteckungsdynamik wie auch konjunkturellen und politischen Risiken weiterhin Abwärtskräfte.

Der GKB Anlageausschuss beschliesst die Beibehaltung der Aktienquote auf Neutralgewicht. Auch die Quoten der festverzinslichen Anlagen und der Alternativen Anlagen bleiben unverändert.

Alternative Anlagen sind ein strategischer Bestandteil unserer Anlage-Politik und tragen zur Diversifikation des Gesamtportfolios bei. Aktuell halten wir ein Übergewicht in Gold und Immobilien.

 

Positionierung 

 

 

 

 

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