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Einschätzung zur geldpolitische Lagebeurteilung der SNB

Datum: 16.06.2022 

​Die Schweizerische Nationalbank (SNB) reagiert auf das veränderte Umfeld, erhöht den Leitzins – zum ersten Mal seit 2007 – um gleich einen halben Prozentpunkt auf -0.25% und setzt damit ein Zeichen. 

Nach der US Notenbank Fed gestern, überrascht die SNB heute die Finanzmärkte. Eine Zinserhöhung war zwar erwartet worden, der Zeitpunkt vor dem Entscheid der Europäischen Zentralbank im Juli aber nicht. Die SNB strafft die Geldpolitik um dem inflationären Druck entgegen zu wirken. In Bezug auf den weiteren Erhöhungspfad steht die SNB unserer Meinung nach wenig unter Druck. Dennoch ist eine weitere Erhöhung noch vor dem nächsten offiziellen Meeting im September wahrscheinlicher geworden. 

Fürs 2022 rechnen wir in der Schweiz mit einem weiteren Anstieg der Leitzinsen um insgesamt 50 Basispunkte. Der Schweizer Konjunkturmotor läuft allen Unkenrufen zum Trotz bis anhin hochtourig. Wichtige Vorlaufindikatoren wie beispielsweise das KOF Konjunkturbarometer legen für das Jahr 2023 mittlerweile aber eine spürbare Konjunkturabkühlung nahe. Ein markanter Einbruch zeichnet sich in der Schweiz indes nicht ab. Selbst der Krieg in der Ukraine hat die hiesige Wirtschaftsaktivität wenig belastet. Auf globaler Ebene haben die Wirtschaftsrisiken jüngst aber deutlich zugenommen. Die Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums ist unter anderem auf die hohe Inflation zurückzuführen.In der Schweiz befindet sich die Inflation im Vergleich zum Euroraum nur leicht über der Zielmarke von 2%. 

Die Erhöhung der SNB-Inflationsprognose für 2022 (von 2.1% auf 2.8%) reiht sich in die Erwartungen etlicher westlicher Notenbanken ein und kommt wenig überraschend. Die Inflation bleibt hartnäckig auf hohem Niveau. Die Hoffnungen, wonach die Inflation bereits im April ihren Höhepunkt erreicht haben könnte, haben sich mit dem jüngsten Inflationsbericht aus den USA zerschlagen. Wir sind aber nach wie vor überzeugt, dass die Inflation in der Schweiz bald wieder im Bereich von null bis zwei Prozent zu stehen kommt.  

Währungsseitig stufen wir den CHF im aktuellen Umfeld als fair bewertet ein. Der früher als erwartete Ausstieg aus den Negativzinsen dürfte zumindest in der kurzen Frist allerdings einen positiven Effekt auf den CHF haben. 



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