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Geldpolitik bleibt grosse Unterstützung

Datum: 21.09.2020 
Autor: Daniel Lüchinger

Die US-Notenbank Fed hat an ihrer Sitzung letzte Woche zwar keine neuen Massnahmen beschlossen, jedoch ihre geldpolitischen Grundsätze angepasst. Hat sich damit etwas an der starken Unterstützung der Finanzmärkte durch die Geldpolitik verändert?

«Die Geldpolitik rund um den Globus bleibt für eine sehr lange Zeit sehr expansiv.»

 

Letzte Woche wurde vor allem die Sitzung der US-Notenbank Fed mit Spannung erwartet. Doch wie so oft bergen hohe Erwartungen auch immer das Potential von Enttäuschungen. Die Fed hat nämlich keine neuen geldpolitischen Massnahmen beschlossen und wird das aktuelle Anleihen-Kaufprogramm unverändert weiterführen. Die Aktienmärkte reagierten prompt mit Kursverlusten.

Hat sich mit der letzten Notenbanksitzung etwas an der starken Unterstützung der Finanzmärkte durch die Geldpolitik verändert? Die Fed hat zwar keine neuen Massnahmen beschlossen, jedoch ihre geldpolitischen Grundsätze angepasst. Dass die Notenbank bereit ist, die Inflation für einige Zeit leicht über das Ziel von 2 Prozent ansteigen zu lassen, war schon bekannt. Dies alleine verschafft ihr deutlich mehr Spielraum in der Leitzinsgestaltung und ist ein starkes Signal.

Neu ist die Aussage, dass die Zinsen solange tief bleiben werden, bis der Arbeitsmarkt in den USA wieder das Niveau der Vollbeschäftigung erreicht hat. Für die Notenbank bedeutet dies etwa eine Arbeitslosenquote von 4.1 Prozent. In der Kombination sprechen diese beiden Ankündigungen dafür, dass die Zinsen länger unverändert tief bleiben werden. Denn die neue ergebnisorientierte «Forward Guidance», welche erste Zinserhöhungen von bestimmten makroökonomischen Variablen abhängig macht, setzt die Kriterien für eine Zinserhöhung so, dass die Voraussetzungen dafür selbst Ende 2023 noch nicht erfüllt sein werden. Die Fed erwartet demnach, dass die Zinsen erst nach 2023 wieder leicht ansteigen werden.

Dieser geldpolitische Kurs der US-Notenbank gibt auch allen anderen Notenbanken viel Spielraum, ihre ultra-expansive Geldpolitik noch lange Zeit fortzuführen oder gar zu verstärken. Konkret wird an den Finanzmärkten damit gerechnet, dass sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Bank of England (BoE) ihre quantitative Lockerungspolitik erneut ausweiten werden. Die BoE denkt sogar über eine mögliche Einführung von Negativzinsen nach, falls es Ende Jahr zu einem ungeordneten EU-Austritt kommen sollte. Unter dem neuen japanischen Premierminister Yoshihide Suga ist von einer ähnlich starken Zusammenarbeit der Bank of Japan (BoJ) und der Regierung auszugehen, was auch in Japan für eine Fortsetzung der expansiven Geldpolitik spricht.

Die Geldpolitik rund um den Globus bleibt somit noch für eine sehr lange Zeit sehr expansiv. Dies stützt die Aktienmärkte. Die aktuell hohen Bewertungen stellen jedoch eine Herausforderung dar. Die bevorstehenden US-Präsidentschaftswahlen und insbesondere Sorgen um einen umstrittenen Wahlausgang oder wieder ansteigende Corona-Infektionszahlen können kurzfristig zu Unsicherheiten und dementsprechend volatilen Aktienmärkten führen.

Es spricht somit nach wie vor Vieles für eine Anlage in Aktien. Allerdings sollte man die Risiken nicht ausser Acht lassen und zur besseren Diversifikation des Anlageportfolios auch in andere Realwerte wie zum Beispiel Gold oder Immobilienanlagen investieren.

 

 

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