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Das grösste Freihandelsabkommen der Welt

Datum: 23.11.2020 
Autor: Daniel Lüchinger

Corona-Infektionszahlen, Lockdowns und die Ankündigungen von wirkungsvollen Impfstoffen haben in der letzten Woche eine andere, für die Weltwirtschaft bedeutende Entwicklung in den Hintergrund gedrängt. In Asien haben sich nämlich 15 Länder zur grössten Freihandelszone der Welt zusammengeschlossen. Worum geht es und wer profitiert von diesem neuen Abkommen?

«Der wirtschaftliche Effekt sollte nicht überschätzt werden.»

 

Die «Regional Comprehensive Economic Partnership», kurz RCEP, umfasst nebst China auch andere Schwergewichte wie Japan und Südkorea. Ursprünglich wollte sich auch Indien am Bündnis beteiligen, stieg allerdings kurz vor dem Abschluss im vergangenen Jahr aus.

Das Freihandelsabkommen umfasst im Wesentlichen die Senkung der Zölle, wodurch der Handel innerhalb der Zone vereinfacht und günstiger wird. Bis zu 90 Prozent der tarifären Handelshemmnisse sollen in den kommenden 20 Jahren schrittweise abgebaut werden. Darüber hinaus sind 20 weitere Bereiche wie Dienstleistungen, Investitionen, Telekommunikation und geistiges Eigentum im Pakt geregelt. Acht Jahre verhandelten die Staaten über die Ausgestaltung der regional umfassenden Wirtschaftspartnerschaft, welche nun im 2021 in Kraft tritt.

Wer profitiert vor allem von diesem neuen Abkommen? Das neue Freihandelsabkommen umfasst rund 30 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung und rund 30 Prozent der Weltbevölkerung. Somit bilden die 15 Mitglieder bereits heute den grössten Wirtschaftsraum der Welt. Bis 2030 soll der Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung sogar auf über 50 Prozent ansteigen. Dies sind beeindruckende Zahlen. Der Effekt auf das Wirtschaftswachstum sollte aber nicht überschätzt werden. Schätzungen zufolge erhöht das Abkommen das reale Bruttoinlandprodukt der Mitgliedstaaten um lediglich 0.3 Prozent. Schliesslich hatten viele der teilnehmenden Länder bereits zuvor bilaterale Handelsabkommen geschlossen, die nun in eine multilaterale Übereinkunft überführt werden.  Der Austausch von Waren mit den USA und Europa dürfte zurückgehen. Generell wird der Einfluss der USA im pazifischen Raum abnehmen. Symbolischen Wert hat das Abkommen auch für das Verhältnis zwischen China und Japan. Gerade Japan hatte in der Vergangenheit grosse Vorbehalte gegenüber Chinas Hegemonie in Asien. Das RCEP darf daher durchaus als Integrationsvorhaben innerhalb der Asien-Pazifik-Region verstanden werden und sollte daher nicht auf niedrigere Zölle reduziert werden.

Für die kurzfristige Wirtschaftsentwicklung sind allerdings andere Faktoren wie beispielsweise neue Konjunkturmassnahmen, eine anhaltend expansive Geldpolitik mit tiefen Zinsen und insbesondere ein effektiver Coronavirus-Impfstoff entscheidend. Die Eindämmung der Pandemie zeichnet sich mehr und mehr ab. Dadurch hellen sich die Konjunkturperspektiven weiter auf. Langfristig ist das Handelsabkommen aber ein weiteres Zeichen, dass sich das wirtschaftliche Zentrum nach Asien verschiebt. Mit dem ersten Freihandelsabkommen überhaupt sendet China ein starkes Signal und wird nebst Japan und Südkorea wohl am meisten davon profitieren. Auch, weil es China mit dem Abkommen gelungen ist, die eigene Vormachtstellung in der wirtschaftlich am schnellsten wachsenden Region zu stärken.  

 

Gemeinsam wachsen.