GKB Postplatz

Finanzmärkte im Bann des Ukraine-Konflikts

Datum: 28.02.2022 

Am vergangenen Donnerstagmorgen überraschte Wladimir Putin mit dem Angriff auf die Ukraine seine politischen Partner und die Finanzmärkte. Dies, nachdem er die erhöhte globale Aufmerksamkeit durch den russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze, für Gespräche mit anderen Staatsoberhäuptern zur Selbstinszenierung nutzte.

«Kurzfristig herrscht eine grosse Unsicherheit an den Finanzmärkten.»

 

Am vergangenen Donnerstagmorgen überraschte Wladimir Putin mit dem Angriff auf die Ukraine seine politischen Partner und die Finanzmärkte. Dies, nachdem er die erhöhte globale Aufmerksamkeit durch den russischen Truppenaufmarsch an der ukrainischen Grenze, für Gespräche mit anderen Staatsoberhäuptern zur Selbstinszenierung nutzte.

Die Finanzmärkte reagierten auf den Einmarsch mit starken Abverkäufen. Valoren von Bankaktien gerieten besonders unter Druck. Russland selbst erfuhr die Konsequenzen der Neubeurteilung der Marktteilnehmer am stärksten: Der russische Aktienmarkt korrigierte alleine am Donnerstag um 38 Prozent. Dadurch wurden 200 Milliarden Schweizerfranken an Marktkapitalisierung vernichtet. Nicht nur die russischen Aktienmärkte korrigierten stark, die Anleger stellen auch die Kreditwürdigkeit Russlands stärker in Frage. Die Kosten für eine Ausfallversicherung für fünfjährige russische Staatsanleihen kletterten auf Levels, die zuletzt in der Finanzkrise im Jahre 2008 gesehen wurden. Das Misstrauen gegenüber Russland zeigte sich auch im Wert des russischen Rubels. Dieser kollabierte auf ein Allzeittief – dies trotz einer Zinserhöhung der russischen Zentralbank am Montag von 10.5 Prozent auf 20 Prozent.

Die Unsicherheit über die wirtschaftlichen Konsequenzen des Konfliktes führte zu tieferen Zinsen, was zu Zukäufen bei den zuletzt gescholtenen Aktien von Technologieunternehmen aus den USA führte. Stabilität fanden Anlegende auch in den klassischen sicheren Häfen wie dem Schweizer Franken oder Edelmetallen. Am Freitag erfolgte eine starke Gegenbewegung, welche jedoch bereits am Montagmorgen durch die Erweiterung der Sanktionen übers Wochenende und den Ausschluss einzelner russischer Banken aus dem SWIFT Zahlungssystem wieder gestoppt wurde.

Kurzfristig herrscht eine grosse Unsicherheit an den Finanzmärkten, da viele Auswirkungen des Konfliktes noch nicht absehbar sind. Besonders die atomaren Drohungen seitens Russland stellen ein Eskalationsszenario unvorstellbaren Ausmasses dar. Aber auch die Auswirkungen auf die Rohstoffpreise werden sich zuerst weisen müssen. Mittelfristig lehrt uns die Geschichte etwas anderes: Politische Börsen haben kurze Beine. Damit besagt eine alte Börsenweisheit, dass politische Ereignisse für gewöhnlich nur einen kurzen Einfluss auf die Märkte haben, bevor sich Anlegende wieder auf die harten Fakten wie die Unternehmensgewinne oder Wirtschaftsdaten fokussieren. So notierten die Börsen in der Mehrheit der vergangenen politischen Krisen sechs Monate nach dem Ausbruch eines Konfliktes höher als zu Beginn des Konfliktes. Es wird sich zeigen, ob sich die Geschichte auch dieses Mal wiederholt.

Die Entwicklungen von letzter Woche zeigen eines sehr deutlich: In einem Markt mit starken Schwankungen ist es praktisch unmöglich den richtigen Ein- oder Ausstiegszeitpunkt zu finden. Viel wichtiger ist es, über eine gut diversifizierte Anlagestrategie zu verfügen, die solche Situation berücksichtigt und das langfristige Anlageziel unterstützt. Für Investoren, die bereits investiert sind, empfehlen wir deshalb auch in dieser volatilen Phase Ruhe zu bewahren. Für Anlegende an der Seitenlinie ergeben sich selektiv Einstiegschancen. Nämlich bei Valoren die ungerechtfertigterweise unter die Räder gekommen sind.

 

 

Gemeinsam wachsen.