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EZB unter Zugzwang

Datum: 19.04.2022 

​Die Inflation steigt auch in der Eurozone weiter an und überrascht mit einem Aufwärtstrend. Mit einer Jahresrate von 7.5 Prozent im März gegenüber 5.9 Prozent im Februar hat die Inflation nun ein Allzeithoch erreicht.


«Die Inflation fällt klar höher aus, als von der EZB erwartet.»


Die Inflation steigt auch in der Eurozone weiter an und überrascht mit einem Aufwärtstrend. Mit einer Jahresrate von 7.5 Prozent im März gegenüber 5.9 Prozent im Februar und erwarteten 6.7 Prozent auf Jahressicht hat die Inflation nun ein Allzeithoch erreicht. Die Teuerung kommt somit fast beim Vierfachen des mittelfristigen Zieles von 2 Prozent der Europäischen Zentralbank (EZB) zu stehen. Der Einmarsch der russischen Streitkräfte in die Ukraine führt zu einem zusätzlichen Inflationsschock, insbesondere bei Energie- und Lebensmittelpreisen. Das primäre Mandat der Währungshüter, nämlich die Gewährleistung der Preisstabilität, wird derzeit nicht erfüllt. Der Druck auf die EZB steigt und es wird schwieriger, ihre ultralockere Geldpolitik zu rechtfertigen. Zwar unternahm die Zentralbank bereits im März einen Schritt zur Normalisierung ihrer expansiven Politik, indem sie die Reduktion der Anleiheaufkäufe beschleunigte. Die Tür für erste Zinserhöhungen wurde an der letzten Sitzung aber nicht geöffnet.

Daher blickten die Anleger am vergangenen Donnerstag gespannt nach Frankfurt, wo die Europäische Zentralbank über den weiteren geldpolitischen Kurs entschied. Erwartungsgemäss wurden die Leitzinsen nicht angepasst. Nichtsdestotrotz musste EZB-Chefin Christine Lagarde eingestehen, dass die Inflationsrisiken klar höher ausfallen, als von der Zentralbank erwartet. Die Effekte des Kriegs in der Ukraine auf die wirtschaftliche Aktivität sind grösser als noch im März erwartet. Die Finanzmärkte, welche die Erwartungen der künftigen Ausrichtung der Notenbankpolitik widerspiegeln, rechnen mit zwei Leitzinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte bis zum Jahresende.

Die Zinswende ist eingeläutet. Bereits im vergangenen Monat unternahm die US-Notenbank Fed einen ersten Zinsschritt und zeigte sich sehr entschlossen, die Zinssätze schnell und deutlich anzuheben. Auch zeigen die Währungshüter jenseits des Atlantiks eine hohe Bereitschaft, rasch ihre Bilanz zu verkürzen. Die Inflationsbekämpfung steht zuoberst auf ihrer Agenda.

Die hohen Energie- und Rohstoffpreise sorgen für eine spürbare Verlangsamung der Weltwirtschaft und noch höhere Inflationsraten. Dies zu einem Zeitpunkt, in welchem die Teuerungssituation bereits angespannt ist. So stiegen beispielsweise auch in der Schweiz die Konsumentenpreise im Februar und März so stark wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Die Notenbanken reagieren normalerweise zögerlich auf eine konjunkturelle Abschwächung. Die steigende Inflation lässt den Währungshütern allerdings keine andere Wahl, als die Leitzinsen zu erhöhen. Wir erwarten, dass die EZB die Zinsen in diesem Jahr drei Mal erhöhen wird. Danach ist auch ein erster Zinsschritt der Schweizer Notenbank SNB wahrscheinlich. In diesem Umfeld gewinnen kurzlaufende Anleihen zunehmend wieder an Attraktivität.




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