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US-Wahlen: Erwartungen der Finanzmärkte

Datum: 12.10.2020 
Autor: Daniel Lüchinger

Es sind gerade mal noch 22 Tage. Das Rennen um das US-Präsidentenamt geht in die heisse Phase und wird in den nächsten Wochen – neben der Entwicklung der Covid-Infektionszahlen – weiterhin das bestimmende Thema sein. Welches sind die Erwartungen der Finanzmärkte an den Ausgang der Präsidentschaftswahlen? Und was bedeutet das für Anlegerinnen und Anleger?

«Die Erwartung eines demokratischen Triumphs kann man gut an der Zinsentwicklung ablesen.»

 

Bereits in den vergangenen Wochen waren die globalen Aktienmärkte von der US-Politik getrieben, während Konjunkturdaten kaum beachtet wurden. Die Erkrankung von Donald Trump sorgte für zusätzliche Brisanz im Wahlkampf. Für Verunsicherung sorgten auch die Twitter-Salven des US-Präsidenten Anfang letzter Woche im Zusammenhang mit dem Abschluss eines zweiten Fiskalpakets. Während der ganzen Woche bewegten sich die Aktienmärkte zwischen der Hoffnung auf zusätzliche fiskalpolitische Unterstützung, der Sorge über eine chaotische US-Präsidentschaftswahl und dem Bangen über eine erneute wirtschaftliche Abschwächung. Auf Wochensicht überwog die Zuversicht und sorgte für Kursgewinne an den Aktienmärkten.

Doch welches sind die Erwartungen der Finanzmärkte an den Ausgang der Präsidentschaftswahlen? Glaubt man den Umfragewerten, ist die Ausgangslage klar: Der Herausforderer Joe Biden liegt in allen Umfragen deutlich vorne. Klar, Donald Trump lag bei seiner Wahl 2016 im Oktober ebenfalls noch zurück. Der Abstand hat sich nun aber deutlich vergrössert und wurde in den letzten Tagen gar nochmals beträchtlicher. Zudem liegt der amtierende Präsident auch in den sogenannten «Swing States», also jenen Bundesstaaten, in denen sowohl die Republikaner als auch die Demokraten gute Chancen auf einen Sieg haben, hinter seinem Herausforderer. Auch dies ist ein Gegensatz zur letzten Wahl.

Die Finanzmärkte preisen mittlerweile sogar eine sogenannte «blaue Welle» immer stärker ein. In diesem Szenario gewinnen die Demokraten auch die Mehrheit im Senat und bestätigen die Mehrheit im Repräsentantenhaus. Auf diese Weise würde der Weg zu einer aggressiveren Fiskalpolitik geebnet. Ein umfangreiches US-Konjunkturpaket dürfte dann problemlos eine Mehrheit im Kongress finden und noch im ersten Quartal des kommenden Jahres verabschiedet werden. Diese Erwartung eines demokratischen Triumphs kann man gut an der Zinsentwicklung ablesen. Die Zinskurve ist in den USA deutlich steiler geworden. Eine steile Zinskurve bedeutet, dass die Marktteilnehmer stärkeres Wachstum und steigende Inflation erwarten. Die einfache Erklärung hierfür ist, dass bei einem Sieg der Demokraten ein stärkerer Stimulus für die Wirtschaft erwartet wird. Dennoch, ein Sieg der Demokraten ist alles andere als sicher. Donald Trump braucht aber wohl fast schon ein zweites «Oktober-Wunder».

Vieles spricht somit aktuell dafür, dass Joe Biden der nächste Präsident der USA sein wird. Bis es soweit ist, steht uns noch ein bewegter Oktober bevor. In einem Umfeld von steigender Inflation und steigenden Zinsen entwickeln sich Aktien in der Regel sehr gut. Profitieren dürften dann vor allem Unternehmen mit klarem Fokus auf Nachhaltigkeit.

 

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