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Der Siegeszug der Wachstumsaktien

Datum: 12.08.2021 
Autor: Ivan Walser


Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind vielseitig. Einige Entwicklungen sind neu, einige beschleunigten sich – wie beispielsweise die Digitalisierung. Profiteure der technologischen Trends sind stark wachsende Unternehmen. Mit so genannten «Growth»-Aktien konnten Anlegerinnen und Anleger in den letzten Jahren viel Geld verdienen. Weit weniger gut entwickelten sich Substanzwerte, so genannte «Value»-Aktien, die sich durch eine tiefe Bewertung auszeichnen. Die Schere zwischen diesen beiden Anlagestilen ist im letzten Jahr weiter aufgegangen. Die Gegenbewegung zu Gunsten von «Value»-Aktien, welche im November 2020 eingesetzt hatte, hielt nur wenige Monate an. 



Wertentwicklung der Anlagestile


Faktorprämien
Warren Buffett ist wohl der beste Beweis dafür, dass der breite Markt mit Investitionen in unterbewertete Unternehmen übertroffen werden kann. Es gibt jedoch eine Einschränkung: Der Anlagehorizont muss 20 Jahre oder mehr betragen. Ob mit «Value»-Aktien auch in diesem Jahrhundert eine Überrendite – und damit eine Faktorprämie – erzielt werden kann, ist seit der Finanzkrise 2007/2008 zunehmend umstritten.

Zu stark entwickelten sich die Unternehmen aus der «New Economy» – wie beispielsweise Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon und Facebook – im Vergleich zu den Unternehmen der «Old Economy» aus den Sektoren Finanzwesen, Energie und Versorgung. Auch wenn die Faktorprämie von «Growth»-Aktien lange Zeit verkannt wurde, so kann heute festgestellt werden: Wachstumsstarke Unternehmen mit einem profitablen Geschäftsmodell und einer mit dem Markt vergleichbaren Volatilität erzielen eine überdurchschnittliche Rendite. 


Abhängigkeit von Zinsentwicklung
Sowohl innerhalb des «Value»- als auch «Growth»-Anlagestils gibt es zyklische und defensive Branchen. Zyklische «Value»-Aktien sind beispielsweise bei Banken oder Automobilherstellern, defensive «Value»-Aktien bei Telekommunikationsunternehmen oder Versorgern zu finden. Zyklische «Growth»-Aktien sind beispielsweise Halbleiterunternehmen. Medizintechnikproduzenten gehören zu den defensiven «Growth»-Aktien.

Die Treiber für die relative Kursentwicklung von «Cyclical vs. Defensive» und «Growth vs. Value» sind unterschiedlich: Während bei der ersten Gruppe die Wirtschaftsentwicklung, beispielsweise vorlaufende Indikatoren wie der Einkaufsmanagerindex («Purchasing Managers Index», PMI), massgeblichen Einfluss auf die Wertentwicklung hat, ist es bei der zweiten Gruppe die Zinsentwicklung. Die Grafik zeigt, dass ein höherer PMI in der Tendenz zu einer Überrendite von zyklischen Aktien führte. Wachstumsstarke Aktien entwickelten sich vor allem in Phasen stark fallender Zinsen besser als «Value»-Aktien.



Zusammenhaenge mit PMI und Zinsentwicklung



Diversifikation als Stabilisator
Prognosen, welcher Anlagestil sich in den nächsten Monaten besser entwickeln wird, sind genauso gewagt, wie Schätzungen zur Wirtschafts- oder Zinsentwicklung. Letztere wird wohl entscheiden, in welche Richtung es mit «Value»-Aktien gehen wird. Wenn die langfristigen Zinsen ansteigen, fahren Anlegerinnen und Anleger besser, wenn sie ihr Geld in Banken und zyklische Konsumgüter investieren. 

Bleiben sie tief oder sinken sie gar, werden Wachstumswerte weiterhin die Nase vorn haben. Im GKB (CH) Aktien Welt ESG Fonds werden verschiedene Anlagestile miteinander kombiniert. Dank dieser Diversifikation werden Kursschwankungen im Portfolio verringert und die langfristigen Renditeaussichten verbessert. 

Viele Aktienmärkte befinden sich nahe am Allzeithöchststand. Doch nicht alle (Wachstums-)Unternehmen, welche den Index in den letzten Jahren angetrieben haben, sind ihren Preis wert. Der Zeitpunkt für eine Portfoliobereinigung ist gut. Fokussieren Sie sich auf Unternehmen mit hoher Profitabilität und langfristigen Wettbewerbsvorteilen.






Gemeinsam wachsen.