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Brexit-Unsicherheit lastet weiterhin auf dem Pfund Sterling.

Datum: 06.11.2020 
Autor: Daniel Alig

Nur acht Wochen vor Ende der Brexit-Übergangsfrist ist noch immer keine Einigung über ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Grossbritannien auf dem Tisch. Nach beidseitigen und zahlreichen taktischen Geplänkeln sind die Chancen auf einen „last-minute deal“ jüngst wieder gestiegen. Damit das GBP aber nachhaltig erstarken kann, bedarf es nebst einem Abkommen auch einer deutlichen konjunkturellen Erholung im Vereinigten Königreich.

Zweite Pandemiewelle lastet auf Wirtschaft
Die wirtschaftliche Erholung in Grossbritannien hat im Oktober markant an Dynamik verloren. Der Einkaufsmanagerindex für die Gesamtwirtschaft fiel von 56.5 auf 52.1 Punkte und markierte damit den tiefsten Wert seit vier Monaten. Zur Bekämpfung der Corona-Pandemie ist England per 5. November in einen Teil-Lockdown mit ähnlichen Regeln wie in Deutschland eingetreten. Dieser dauert mindestens bis Anfang Dezember und dürfte dafür sorgen, dass das Wirtschaftswachstum für das ganze vierte Quartal negativ ausfällt. Die britische Notenbank gibt Gegensteuer und erhöhte Anfang November das Volumen ihrer Wertpapierkäufe um 150 Mrd. auf neu 895 Mrd. GBP um die heimische Wirtschaft zu stützen.

 

Corona-Neuinfektionen

 

Erster Pflock für die wirtschaftliche Zukunft nach dem Brexit eingerammt
Während die Verhandlungen mit der EU noch laufen, konnte sich Grossbritannien (GB) mit Japan auf ein Handelsabkommen einigen. Dieses gewährleistet Zollfreiheit für 99 Prozent der britischen Exporte in die drittgrösste Volkswirtschaft der Welt. Der Handel zwischen GB und Japan summierte sich 2018 auf rund 29.5 Mrd. Pfund. Vor dem Hintergrund eines Handelsvolumens von 700 Mrd. Pfund bleibt aber eine Übereinkunft mit Europa eminent wichtig.


Verhandlungen mit der EU biegen auf die Zielgerade ein
Trotz intensivem Ringen um ein Freihandelsabkommen zwischen Grossbritannien und der EU bestehen laut EU-Chefunterhändler, Michel Barnier, weiterhin Differenzen in den Bereichen der Streitschlichtung, gleicher Wettbewerbsbedingungen und der Fangrechte von EU-Fischern in britischen Gewässern. Zumindest bei letzterem Streitpunkt scheint eine Einigung in Reichweite. Makroökonomisch wichtiger bleibt aber ein Durchbruch in den weitaus relevanteren Feldern Standards und Recht. Ein Blick auf die Exportstatistik zeigt, dass die Briten vom EU-Markt viel abhängiger sind als umgekehrt. Aufgrund des Handelsüberschusses hat aber auch die EU – allen voran Deutschland – ein grosses Interesse an einer Einigung mit Grossbritannien.

 

Warenexporte im Vergleich

 


Fazit
Die Chancen für ein minimales Abkommen noch in diesem Jahr, höchstwahrscheinlich vorerst beschränkt auf den Güterverkehr, sind weiterhin intakt. Nichtsdestotrotz bleiben die Unwägbarkeiten vorerst hoch. Wir raten Investoren die Verhandlungsergebnisse abzuwarten und erst bei einem positiven Ergebnis prozyklisch in das Pfund Sterling zu investieren.

 


 

Gemeinsam wachsen.