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Brexit - der Exit naht

Datum: 28.09.2020 
Autor: Adrian Schneider

Die Verhandlungen zwischen Grossbritannien und der Europäischen Union (EU) vor dem formellen Austritt der Briten aus der EU am 31. Januar 2020 sind noch immer sehr präsent. Die Verhandlungen wurden äusserst emotional geführt und es stand viel auf dem Spiel – ein Härtetest für die politischen Institutionen in Grossbritannien. Nachdem ein ungeregelter Austritt in scheinbar letzter Minute verhindert werden konnte, laufen die Verhandlungen aktuell wieder auf Hochtouren. Denn Ende 2020 läuft die Übergangsfrist aus, während der die zukünftige Beziehung geregelt werden soll. Es geht also darum, ob das Verhältnis zwischen dem Königreich und der EU in Zukunft partnerschaftlich oder frostig sein wird. Doch wie weit fortgeschritten sind diese Verhandlungen aktuell? Und welchen Einfluss haben sie auf die aktuelle Bewertung der britischen Vermögenswerte? Gibt es da vielleicht sogar Einstiegschancen, die sich anbieten? 

 

«Tiefe Bewertungen bedeuten nicht automatisch interessante Einstiegsmöglichkeiten.»

 

Der Britische Premierminister Boris Johnson hat jüngst mit neuen Gesetzesvorlagen die Fronten verhärtet. Die EU signalisiert zwar weiterhin die Bereitschaft für ein Abkommen, die Chancen dafür sinken jedoch laufend. Nach dem formellen Austritt Anfang Jahr war die Erleichterung gross – das ungewisse Szenario eines harten Brexits konnte verhindert werden. Aktuell ist dieses Szenario jedoch wieder auf dem Tisch und kann nicht ausgeschlossen werden. Dies hat Unternehmen teilweise bereits zur Umsetzung von Notfallplänen veranlasst. Hauptstreitpunkte in den Verhandlungen sind zuständige Gerichtsbarkeiten für Streitfälle, die Einhaltung von regulatorischen Mindeststandards oder die Subventionspolitik, um nur einige zu nennen. Zudem erhitzt auch die Sonderregelung in Bezug auf den Verbleib von Nordirland im EU-Binnenmarkt und in der EU-Zollunion weiterhin die Gemüter. Die EU hat klar kommuniziert, dass es ein Handelsabkommen mit Grossbritannien nur gibt, wenn es in Zukunft keine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland gibt.

Diese Verhandlungen verursachten hohe Unsicherheiten und Kosten, welche die wirtschaftlichen Aktivitäten in Grossbritannien stark gelähmt haben. Ein ungeordneter Brexit würde weitere negative Konsequenzen für die britische Volkswirtschaft haben. Besonders Branchen mit starken Verflechtungen zur EU wie beispielsweise die Automobilindustrie oder der Finanzsektor werden stark gefordert sein.

Die politische Unsicherheit belastet die britische Wirtschaft und entsprechend auch die britischen Vermögenswerte sowie das Pfund. Die Bewertungen sind historisch gesehen tief. Erst eine nachhaltige Beruhigung der Situation und eine entsprechende Reduktion der Unsicherheiten würde unserer Meinung nach die Attraktivität erhöhen. Tiefe Bewertungen, wie sie aktuell in Grossbritannien sichtbar sind, bedeuten nicht automatisch interessante Einstiegsmöglichkeiten. Es handelt sich vielmehr um eine Reflektion der Marktgegebenheiten. Diese Woche werden die Verhandlungen zwischen London und Brüssel weitergeführt. Der Druck ist gross, denn um den Zeitplan einzuhalten, müsste bis spätestens am 31. Oktober ein Abkommen vorliegen.

 

 

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