Welchen Einfluss haben die Zölle auf die Unternehmensergebnisse?

Datum: 25.08.2025 

​​​​​​​Die Anlage-Experten der Graubündner Kantonalbank informieren im GKB Anlage-Fokus wöchentlich über das aktuelle Finanzgeschehen. Gemeinsam mit Aleksandar Vlaisavljevic werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf die Berichtssaison zum zweiten Quartal 2025.​

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Donald Trump sorgt mit seinem Zollhammer gegenüber der Schweiz für Unsicherheit. Gleichzeitig präsentieren die Unternehmen ihre Ergebnisse für das zweite Quartal. Daniel Lüchinger hat beim GKB Aktienspezialisten Aleksandar Vlaisavljevic nachgefragt, inwiefern Effekte der Zölle ersichtlich sind. 


Aleksandar Vlaisavljevic, wie verläuft die Berichtssaison für das zweite Quartal? 

Vor der Berichtssaison wurden die Gewinnerwartungen aufgrund der erhobenen Zölle stark reduziert. So wurde Anfang Jahr für das zweite Quartal mit einem Gewinnwachstum von 12 Prozent gerechnet, und kurz vor der Berichtssaison lag das erwartete Gewinnwachstum bei knapp 6 Prozent. Man ging davon aus, dass höhere Preise aufgrund der erhobenen Zölle die Nachfrage senken und die Margen der Unternehmen belasten. Die Unternehmensergebnisse zeigen aber ein ganz anderes Bild: Bereits 90 Prozent der Unternehmen haben ihre Ergebnisse publiziert und 80 Prozent der Unternehmen konnten die Erwartungen übertreffen – auch weil diese stark reduziert worden waren. Das Gewinnwachstum ist mit 13 Prozent deutlich höher als erwartet. Das höchste Gewinnwachstum verzeichneten dabei Unternehmen aus den Sektoren Kommunikation, Technologie und Finanzen.

Wie sieht das Bild in der Schweiz aus?

Schweizer Unternehmen kämpfen weiterhin mit einem starken Schweizer Franken, welcher das Exportgeschäft belastet. Zudem drücken der globale Handelskonflikt sowie die erhobenen Zölle auf Schweizer Exporte in die USA die Stimmung. Dennoch konnten einige grosse Schweizer Unternehmen gute Quartalszahlen publizieren: Novartis stach mit einem starken Wachstum, hoher Profitabilität und robustem Cashflow hervor. Zurich Versicherung, ein Musterbeispiel für stabile und profitable Versicherungsunternehmen, konnte ein Rekordergebnis fürs erste Halbjahr melden und die UBS zeigte Fortschritte bei der Integration und meldete solide Ertragszahlen.

Wie dürften sich die Zölle auf die Geschäfte der Schweizer Unternehmen auswirken?

Trotz der massiven US-Zusatzzölle von bis zu 39 Prozent auf Schweizer Exporte blieb die Schweizer Börse bislang überraschend gelassen. Ein Grund dafür liegt in der Struktur des Schweizer Aktienmarkts. Hier zeigt sich, dass der Schweizer Aktienmarkt die Schweizer Wirtschaft nur begrenzt repräsentiert. An der Börse sind vor allem international tätige Grosskonzerne gelistet – etwa Pharma-, Finanz- und Konsumgüterunternehmen. Viele dieser Firmen produzieren direkt in ihren Absatzmärkten und sind von US-Zöllen kaum betroffen. Im Gegensatz dazu leidet die breitere Schweizer Wirtschaft stärker unter Handelshemmnissen – etwa exportorientierte KMU oder Industrieunternehmen ohne lokale US-Produktion. Die moderate Reaktion des Schweizer Aktienmarktes spiegelt daher nicht das volle Ausmass der möglichen wirtschaftlichen Belastung wider.


GKB Fazit

Die hohen Zölle reduzieren die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen – vor allem gegenüber dem umliegenden Ausland. Am stärksten betroffen sind Produkte, welche explizit mit «Made in Switzerland» punkten. Wichtiger als die Zölle ist jedoch der Umgang mit Pharma respektive den Medikamentenpreisen. Die Unsicherheiten bleiben somit erhöht. Dennoch erachten wir den Schweizer Aktienmarkt als robust. Schweizer Unternehmen sind effizient und werden langfristig ihren Wert weiter steigern können. ​




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