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Ausnahmezustand: Turbulente Zeiten.

Datum: 08.06.2020 

Im Interview mit Jens Korte wirft Martina Müller-Kamp, Mitglied der Geschäftsleitung der Graubündner Kantonalbank einen Blick auf die aktuelle Marktentwicklung.

 

 

Die USA erleben aktuell turbulente Zeiten. Neben der Pandemie kommt noch der soziale Aufschrei hinzu – jeden Tag Massenproteste. Wir sehen Bilder aus den USA, die wir seit den Sechzigerjahren nicht mehr gesehen haben. Können Sie uns ein Gefühl geben, was derzeit in den Vereinigten Staaten passiert?

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb es derzeit zu solch massiven Protestbewegung in den Vereinigten Staaten kommt. Dazu gehört einerseits die ungleiche Behandlung der schwarzen Bevölkerung. Andererseits ist auch  der prozentuale Anteil an Corona-Betroffenen, bei Schwarzen deutlich höher als bei anderen Bevölkerungsgruppen. Das liegt teilweise daran, dass viele Schwarze im Gesundheitswesen oder im Detailhandel tätig sind. Auch die ökonomische Not ist deutlich stärker ausgeprägt – tiefere Löhne und weniger Wohneigentum sind Indizien dafür. Durch die Corona-Krise kommt das Ausmass der jahrzehntelangen Entwicklung ans Tageslicht, was nun zur Explosion der Stimmung im Land führte.

 

Wie erleben Sie persönlich die Ereignisse?

Ich persönlich habe in den letzten zwanzig Jahren noch nie etwas Vergleichbares erlebt. Egal wo man sich in Manhattan befindet, alles ist verbarrikadiert. Grund dafür sind die schweren Plünderungen von letzter Woche aber auch die Proteste. Grundsätzlich ist eine hohe Sympathie seitens Bevölkerung spürbar, doch Unternehmen sind stark von der aktuellen Situation betroffen. Die Geschäfte können nicht geöffnet werden, was ihren Zorn auf die Polizei erklärt.

 

Wenn wir uns die Wirtschaftszahlen anschauen, so wurden am Freitag unfassbar gute Arbeitsmarktzahlen veröffentlicht. Es wurden keine Stellen abgebaut und es kam auch nicht zu den befürchteten Massenentlassungen. Im Gegenteil,  es wurden zwei Millionen neue Stellen geschaffen. Kommt die Erholung nun doch schneller als erwartet?

Hier spricht man von einer absoluten Sensation. Im Mai wurden rund zweieinhalb Millionen Arbeitsstellen geschaffen – gegenteilig zur Prognose vieler Ökonomen. Diese sind davon ausgegangen, dass bis zu neun Millionen Arbeitsplätze abgebaut würden. Zu verdanken ist diese Entwicklung der Teilöffnung des Landes. In der Gastronomie aber auch im Baugewerbe wurde der Betrieb beispielsweise deutlich schneller wieder aufgenommen als ursprünglich erwartet. Von einer langfristigen Erholung darf jedoch noch nicht die Rede sein, denn hinter der scheinbaren Erholung stecken Staatsgelder in Billionenhöhe. Diese kommen einerseits den kleinen Unternehmen aber auch der Bevölkerung zugute und begrenzen kurzfristig den Schaden. Sobald diese Staatsgelder auslaufen, könnte es aufgrund von Firmenpleiten trotzdem zu einer Entlassungswelle kommen. Die Krise ist folglich noch nicht durchgestanden.

Es bleiben turbulente Zeiten gesellschaftlich, wirtschaftlich und auch an der Börse.

 

 

 

 

 

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