Aktive Aktienselektion ist Trumpf.

Datum: 31.08.2020 
Autor: Adrian Schneider

Letzte Woche meldete das Staatsekretariat für Wirtschaft SECO die schlechtesten Quartals-Wachstumszahlen der Schweizer Wirtschaft seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1980. Nach einem Rückgang von 2.5 Prozent im ersten Quartal sinkt das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Schweiz im zweiten Quartal 2020 um 8.2 Prozent. Damit ist offiziell, was alle bereits wussten: Die Schweizer Wirtschaft fällt in eine Rezession.

 

 

«Nicht alle Verlierer im ersten Halbjahr werden automatisch die Gewinner des zweiten Halbjahrs sein.»

 

Immerhin kann aus Schweizer Perspektive angemerkt werden, dass es andere Länder noch stärker getroffen hat. Im internationalen Vergleich fiel der BIP-Rückgang in der Schweiz nämlich geringer aus. In England beispielsweise sank der Wert aller produzierten Güter und Dienstleistungen im zweiten Quartal um beeindruckende 20.4 Prozent. Das macht England zum grössten Verlierer auf dem Kontinent.

Im aktuellen GKB Anlage-Fokus werfen wir einen Blick auf die Schweizer Unternehmen. Die GKB ist der Frage nachgegangen, wie sich der Umsatz der Unternehmen im Swiss Performance Index (SPI) in diesem Umfeld im ersten Halbjahr 2020 entwickelt hat. Rund 90 Prozent aller Unternehmen im SPI haben bisher die Zahlen für das erste Halbjahr publiziert. Daraus lässt sich aus heutiger Sicht ein gutes Bild darstellen.

Wenig überraschend sind auch in der Schweiz die IT-Unternehmen am besten durch die Krise gekommen. So konnte zum Beispiel Logitech den Umsatz gegenüber dem letzten Jahr um beinahe 23 Prozent steigern. Aber auch bei einer VAT Group laufen die Geschäfte weiterhin rund. Auf dem zweiten Rang stehen Finanzunternehmen, wie beispielweise der Finanzdienstleister Swissquote, der durch herausragende Handelsergebnisse einen um 43 Prozent höheren Umsatz als im Vorjahr erzielen konnte.

Auf der Verliererseite hingegen stehen auf Sektorebene die Nicht-Basiskonsumgüter mit einem Umsatzwachstum von Minus 30 Prozent und Industrieunternehmen mit einem Minus von 19 Prozent. Wenig überraschend sind die Umsätze von Dufry, dem weltweit grössten Reisedetailhändler mit über 2400 Geschäften, oder auch derjenige des Luxusgüterkonzerns Richemont um beinahe 63 respektive 50 Prozent eingebrochen. Das Gastgewerbe als Teil des Schweizer Dienstleitungssektors wurde im ersten Halbjahr 2020 ebenfalls hart getroffen. Die Wertschöpfung aus diesem Bereich ging laut SECO um 54.2 Prozent zurück.

Die global anhaltend hohen Corona-Neuinfektionen stellen nach wie vor ein schwer kalkulierbares Risiko für die wirtschaftliche Erholung dar. Für die weitere Entwicklung der globalen Aktienmärkte wird neben anderen Faktoren der Umgang mit dem Coronavirus entscheidend sein. Eines lässt sich jedoch – trotz aller Unsicherheiten – festhalten: Es ist davon auszugehen, dass nicht alle Verlierer vom ersten Halbjahr automatisch die Gewinner des zweiten Halbjahrs sein werden. In diesen Zeiten ist aktive Aktienselektion Trumpf. Zu bevorzugen sind Aktien mit starker Marktpositionierung und nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen. Neben fundamentalen Faktoren, welche die Qualität und die Bewertung eines Unternehmens widerspiegeln, dürfen weitere Einflussgrössen wie die Stimmung sowie die Kurs- und Gewinnentwicklung nicht ausser Acht gelassen werden.

 

 

 

 

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