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Aktienmärkte und Impfpflicht-Debatte

Datum: 02.08.2021 

Die Anlage-Expertinnen und -Experten der Graubündner Kantonalbank informieren im GKB Anlage-Fokus wöchentlich über das aktuelle Finanzgeschehen. Gemeinsam mit Jens Korte werfen wir in dieser Ausgabe einen Blick auf die Wall Street.




Jens Korte, wie ist die Stimmungslage an der Wall Street zum Monatswechsel?

Fomo – Fear of missing out – ist das Zauberwort der Stunde hier an der Wall Street. Viele Händler, mit denen ich hier rede, sind sich durchaus bewusst, dass die Aktienkurse extrem heiss gelaufen sind. Kommt hinzu, dass wir mit August und September auf die traditionell schwächsten Börsenmonate zusteuern. Man fürchtet sich jedoch vom Zug der Aktien-Hausse abzuspringen, solange er noch fährt.

Für die positive Aktienmarktentwicklung gibt es aber auch handfeste Gründe. Wir sind mitten in der Berichtssaison und die läuft deutlich besser als erwartet. Das gilt zum Beispiel für Technologie-Unternehmen oder für den Autobauer Ford: Die Halbjahreszahlen überzeugen und Ford glaubt, dass die Engpässe bei den Halbleitern bald ein Ende haben. Zudem ist die Wirtschaft insgesamt mit über sechs Prozent gewachsen und die US-Notenbank signalisiert, dass man an der Geldpolitik so schnell nichts ändern wolle.


Immer mehr Unternehmen wie zum Beispiel Google und Facebook, wollen nur noch geimpfte Personen zurück ins Büro lassen. Wie hitzig wird die Debatte in den USA geführt?

Das ist eine ganz heisse Debatte, die in den USA und vor allem auch in der US-Unternehmenswelt geführt wird: Impfpflicht ja oder nein? Einige Firmen wie Facebook, Google oder auch die Grossbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs fordern von den Mitarbeitenden in den Büros, dass sie geimpft sind. Twitter allerdings hat jetzt gerade die Büroöffnung auf unbestimmte Zeit verschoben, weil die Delta-Variante auch in den USA die Ansteckungszahlen in die Höhe treibt. Zudem verlangen viele Unternehmen bei Neueinstellungen einen Nachweis, dass die Kandidatin oder der Kandidat geimpft ist.


Zeichnen sich dagegen auch Widerstände ab?

Vorab muss man wissen, dass einige Bundesstaaten und letztendlich auch US-Präsident Biden mit einer Impfpflicht liebäugeln. Kalifornien zum Beispiel war der erste Bundesstaat, der eine solche für Staatsbeamte eingefordert hat. Für die Unternehmen kann das die Politik allerdings nicht so ohne Weiteres einfordern.

Bis jetzt hört man vor allem Stimmen jener Leute, zum Beispiel von Google, die sich sicherer fühlen im Büro, wenn alle geimpft sind. Aber diese Impfstoffe sind ja noch gar nicht offiziell zugelassen, die haben noch eine Notfallgenehmigung. Das heisst, juristisch ist das ein Minenfeld und ich kann mir schon vorstellen, dass einige Rechtsklagen hinterher kommen. Insbesondere von Menschen, die nur im Büro, im Laden oder in der Fabrikhalle arbeiten können. Sich aber trotzdem nicht impfen lassen und deshalb eben nicht am Arbeitsplatz erscheinen dürfen. Davon sind ganz viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer betroffen, zum Beispiel in der Industrie, in der Produktion von Lebensmitteln aber auch im Detailhandel oder in ganz vielen Dienstleistungsberufen. Aber wie so üblich in den USA, man macht einfach mal und lebt dann hinterher mit den Konsequenzen.






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