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Zinsen: zwischen wirtschaftlicher Normalisierung, hoher Inflation und Pandemie.

Datum: 13.01.2022 
Autor: Benjamin Lehmann

Die Schwankungen an den Zins- und damit auch an den Obligationenmärkten haben jüngst zugenommen und werden uns auch dieses Jahr begleiten. Erfahren Sie hier die Hintergründe zum Geschehen an den Zinsmärkten und unsere Aussichten.

Starke konjunkturelle Erholung

Die Schweizer Franken Zinsen sind in den letzten Wochen stark gestiegen. Die viel beachteten Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen notieren, das erste Mal seit über drei Jahren, wieder im positiven Bereich. 


Renditeentwicklung Staatsanleihen


Dafür gibt es gute Gründe: Das globale Wirtschaftswachstum 2021 fällt kräftig aus. Die weltweite synchrone Erholung aus der Rezession hat die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen in die Höhe schiessen lassen. Auch wenn die Wachstumsraten an Schwung verloren haben, liegen sie noch auf überdurchschnittlichen Niveaus – dies erwarten wir auch für das Jahr 2022.


Inflation steigt und steigt

Die konjunkturelle Erholung hat die Rohstoffpreise in die Höhe getrieben. Die so wichtigen Energiepreise haben sich auf Jahressicht teils verdoppelt und bilden dadurch einen wichtigen Inflationstreiber. Neben der hohen Nachfrage kommen zusätzliche Störungen auf der Angebotsseite dazu. Unternehmen klagen über Lieferkettenprobleme, was bei einigen Gütern zu einer Knappheit und steigenden Preisen führte.


Infaltionsentwicklung


Während dies im Sommer als vorübergehende Entwicklung eingestuft wurde, mehren sich die Anzeichen, dass die Inflationsraten über längere Zeit auf erhöhten Niveaus verharren werden. So führte der gestiegene Preisdruck auch zu höheren Zinsen.


Abkehr von der ultra-expansiven Geldpolitik

Mit Argusaugen beobachten die Notenbanker die Inflationsentwicklung. Denn sie sind der Preisstabilität verpflichtet und müssen bei einem nachhaltigen Überschiessen eingreifen und den Normalisierungsprozess von der aktuell ultra-expansiven Geldpolitik in die Wege leiten. Besonders angelsächsische Notenbanken haben damit bereits begonnen und dadurch die Zinsen steigen lassen. Wegen der hohen Teuerungsrate gerät besonders die amerikanische Notenbank zunehmend unter Druck, die geldpolitischen Zügel schneller anzuziehen als bisher geplant.

Wir erwarten im aktuellen Jahr mehrere Leitzinserhöhungen der amerikanischen Notenbank, was vor allem die kurzfristigen US-Dollar Zinsen steigen lässt. Am langen Ende der Zinsstrukturkurve ist es komplizierter: Restriktivere Geldpolitik muss nicht zwingend zu höheren langfristigen Zinsen führen wie uns die Vergangenheit lehrt. Weiterhin expansiv agieren die Europäischen Zentralbank und die Schweizerische Nationalbank – sie haben es weniger eilig sich von der extrem expansiven Geldpolitik abzukehren.


Mit höheren Schwankungen ins neue Jahr

In der Summe sehen wir Aufwärtspotenzial bei den Zinsen im Jahr 2022. Der Weg dorthin ist jedoch holprig. Unsicherheiten bezüglich dem weiteren Verlauf der Pandemie führen zu höheren Schwankungen bei den Zinsen. Verbreitete Lockdowns würden durch eine sinkende Nachfrage zu tieferem Gewinnwachstum bei den Unternehmen und tieferem Wirtschaftswachstum führen. Auch zu restriktive Notenbanken könnten das Wachstum abwürgen. Schutz vor diesen Szenarien finden Anlegerinnen und Anleger in sicheren Staatsanleihen, was sich in sinkenden Renditen widerspiegelt.

So befinden sich die Zinsmärkte zwischen guten konjunkturellen Aussichten mit teils hohen Inflationsraten und der Unsicherheiten wegen dem weiteren Verlauf der Pandemie. Auch wenn wir mit steigenden Zinsen rechnen, investieren wir innerhalb eines gemischten Portfolios in Obligationen – denn sie bieten Stabilität in unsicheren Zeiten. Dabei ist die richtige Mischung an sicheren Anleihen, welche das Portfolio schützen und risikoreicheren Anlagen als Renditetreiber von zentraler Bedeutung.




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