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Die Berichtssaison wurde lanciert

Datum: 18.10.2021 
Autor: Daniel Lüchinger


Nach der Konsolidierung im letzten Monat konnten sich die Aktienmärkte in den letzten zwei Wochen etwas stabilisieren. Anlegerinnen und Anleger müssen sich jedoch weiterhin mit erhöhten Inflationsraten sowie mit Engpässen in den globalen Lieferketten beschäftigen. Und auch die Ereignisse am chinesischen Immobiliensektor sorgen immer noch für Verunsicherung. Nichtsdestotrotz durften sich Investoren über den positiven Start in die Berichtsaison für das letzte Quartal freuen.



«Der Fokus liegt auf der Entwicklung der Gewinnmargen.»


Traditionell publizieren die grossen US-Banken jeweils als erste ihre Zahlen - und diese haben überzeugt. Wir warten also gespannt auf weitere Unternehmensdaten und Analysen um dann daraus Schlüsse zur weiteren Entwicklung an den Aktienmärkten zu ziehen. Nach stark steigenden Rohstoffpreisen und einem Mangel an Arbeitskräften rund um den Globus, liegt während dieser Berichtssaison ein besonderer Fokus auf der Entwicklung der Gewinnmargen. Mit einerseits rekordhohen Margen und andererseits explodierenden Inputkosten ist die Situation eigentlich klar. Sehen wir jetzt also einen Einbruch der Gewinnmargen?

Es ist eine überzeugende Erklärung: die höheren Inputkosten können nicht so einfach durch Preiserhöhungen an die Konsumenten weitergegeben werden, wodurch die Gewinnmarge der Unternehmen sinkt. Aktuell sehen wir, dass der Unterscheid zwischen den Konsumenten- und Produzentenpreisen so hoch ist wie zuletzt in den 1970er Jahren. Der stark negative Wert bedeutet, dass die Unternehmen die höheren Kosten nicht eins zu eins an die Kunden weitergeben können. Schauen wir auf die vergangenen 30 Jahre, so sehen wir aber keinerlei Anzeichen dafür, dass diese einfache Logik in der Praxis auch funktioniert. Es besteht zwar durchaus ein Zusammenhang zwischen der Margenentwicklung und der Differenz zwischen Konsumenten- und Produzentenpreisen. Dieser ist jedoch genau umgekehrt. Es zeigt sich, dass der aktuelle Konjunkturzyklus für die Margenentwicklung der wichtigere Faktor ist. So konnten wir beobachten, dass die Margen in einer Rezession eingebrochen sind. Während einer Expansionsphase – wie wir sie auch aktuell vorfinden – haben sich die Margen dann wieder ausgeweitet. Und darauf deutet auch die aktuelle Entwicklung: Bis jetzt liegt die Marge der US Unternehmen für das abgelaufene Quartal nämlich bei hohen 12.3 Prozent.

Nebst der Berichtssaison beschäftigen sich die Märkte auch weiterhin mit der Frage, per wann die US-Notenbank Fed mit der Reduktion der Wertpapierkäufe beginnt. Für diese Frage entscheidend ist die weitere Entwicklung der hartnäckigen und mittlerweile breit abgestützten Inflationsraten. Bisher wurde allgemein davon ausgegangen, dass es im Dezember dieses Jahres zu einer geldpolitischen Normalisierung kommen wird. Neuste Informationen zeigen, dass mit dem sogenannten Tapering eventuell bereits im November gestartet wird. 

Unser Fazit: Aufgrund der Historie erwarten wir nicht unbedingt einen Einbruch der Gewinnmargen. Sollte dies jedoch trotzdem der Fall sein, so sehen wir eine Abkehr von der Entwicklung der letzten 30 Jahre. Nebst der Entwicklung der Margen wird auch das Vorgehen der US-Notenbank in den kommenden Monaten ein entscheidender Faktor für den weiteren Verlauf der Aktienkurse sein. 




Gemeinsam wachsen.