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Moderat steigende Inflation erwartet.

Datum: 15.02.2021 
Autor: Daniel Lüchinger

Lange Zeit war Inflation kein Thema. Zu gross war der Druck auf Preise durch die Globalisierung und stetige Effizienzgewinne. Doch seit einigen Monaten sorgen sich immer mehr Investoren um steigende Inflation. Es mehren sich auch die Zeichen für anziehende Preise. Müssen Anlageportfolios nun vor steigender Inflation geschützt werden?

«Kurzfristiger Anstieg der Inflation auf über 2% möglich.» 

 

In den letzten Wochen sind die Inflationserwartungen und mit ihnen auch die langfristigen Zinsen deutlich angestiegen. Und das hat gute Gründe. Historisch tiefe Zinsen und riesige Anleihenkaufprogramme der Notenbanken koordiniert mit den Fiskalprogrammen der Staaten treffen nun auf ein in einigen Bereichen durch die Coronakrise eingeschränktes Angebot. Zudem könnte auch der erwartete starke Aufschwung nach der Pandemie die Preise nach oben treiben. Somit ist in der kurzen Frist mit einem Anstieg der Inflationsraten zu rechnen. Dieser sollte jedoch nicht zu einer Anpassung der Strategie der Notenbanken führen.

Aber auch Sonderfaktoren haben einen Einfluss auf die derzeit anziehenden Preise. So setzte in Europa die CO2-Bepreisung ein, was die Energiepreise ansteigen liess. Die Coronakrise und die Lockdowns wirken sich über ganz unterschiedliche Kanäle auf die Berechnung der Inflationsrate aus. Beispielsweise gibt es für viele Dienstleistungen derzeit keine Marktpreise, weshalb die Statistikämter hier kalkulatorische Ansätze wählen müssen. Des Weiteren haben sich die Konsumgewohnheiten der Verbraucher während der Coronakrise massiv verschoben – weniger persönliche Dienstleistungen und mehr Ver- und Gebrauchsgüter wurden gekauft. Dies führt zu einer Neugewichtung der Konsummengen innerhalb des der Inflationsmessung zugrundliegenden Warenkorbs. Darüber hinaus finden Lockdown-bedingt die Saisonverkäufe insbesondere in der Bekleidungswirtschaft in diesem Winter nicht in der Form statt, wie dies normalerweise der Fall ist. In der Folge könnten die üblicherweise zum Einsatz kommenden Saisonbereinigungsfaktoren ein verzerrtes Bild abliefern. Es gibt also zahlreiche Gründe, den Inflationsanstieg nicht auf die konjunkturelle Entwicklung und daraus resultierender Überschussnachfrage in der Breite zurückzuführen, sondern auf zahlreiche Sonderfaktoren.

An den Aktienmärkten ist die Stimmung trotz der zuletzt etwas gestiegenen Zinsen weiterhin freundlich. So haben letzte Woche die wichtigsten Märkte Gewinne verzeichnen können. Auch der Wochenstart in Asien verlief mit Kursavancen. Obwohl die wirtschaftlichen Aktivitäten aufgrund der zahlreichen Lockdowns noch immer gedämpft sind, sind Anleger optimistisch, dass die fallenden Infektionsraten und Hospitalisierungen zusammen mit den laufenden Impfkampagnen eine Wiederöffnung der Volkswirtschaften erlauben.

Längerfristig erwarten wir keine übermässigen Preissteigerungen. Die Zeiten mit rückläufiger oder sogar negativer Inflation sind aber wohl vorbei. In den nächsten Monaten rechnen wir mit moderat ansteigender Inflation, welche aufgrund von Basis- und Sondereffekten kurzfristig auch über 2% ansteigen dürfte. Wir setzen daher einen Fokus auf Aktien, welche von steigenden Zinsen profitieren können.

 

 

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